Wetterumschwung: Nach Hitze drohen Unwetter und Starkregen

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Badegäste sind mit ihren Booten auf dem Lippesee unterwegs.
Badegäste sind mit ihren Booten auf dem Lippesee unterwegs. Foto: Friso Gentsch/dpa

Essen/Düsseldorf (dpa/lnw) – Der Hitzerekord ist am Dienstag in NRW nicht geknackt worden: Nach dem bislang wärmsten Tag des Jahres mit Temperaturen dicht an den 40 Grad soll es am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen etwas Abkühlung in Form von Schauern und Gewittern geben. Extreme Unwetter und Starkregen können am Abend an manchen Orten nach der großen Hitze aber schon die nächste Gefahr bringen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.

Tagsüber sollen die Temperaturen am Mittwoch immer noch Höchstwerte von 28 bis 33, im Osten sogar bis zu 37 Grad erreichen. Am Dienstag mahnten die Behörden angesichts der brütenden Hitze zur Vorsicht, wegen der anhaltenden Trockenheit gab es außerdem Waldbrände.

Zunächst wurde es aber nicht ganz so heiß wie erwartet: Weder am Niederrhein noch in Städten wie Köln, Duisburg oder Düsseldorf wurde am Dienstag die 40-Grad-Grenze geknackt. Wie ein DWD-Meteorologe am frühen Abend sagte, war es aber verbreitet 36 Grad oder heißer.

Der höchste Wert wurde um 17.10 Uhr mit 39,5 Grad in Duisburg-Baerl gemessen, Tönisvorst am Niederrhein bei Krefeld folgte mit 39,2 Grad. Am 25. Juli 2019 waren es exakt diese beiden Orte, in denen der bisherige NRW-Rekord von 41,2 Grad gemessen worden war.

Wegen der ausgetrockneten Böden besteht außerdem in ganz NRW große Waldbrandgefahr. Stellenweise galt sogar die höchste Warnstufe 5. In Sundern im Sauerland brannte am Dienstagmittag ein Mischwald auf einer Fläche von mehr als 30.000 Quadratmetern – das ist ungefähr so groß wie vier Fußballfelder. Menschen seien nicht in Gefahr gewesen, hieß es von der Feuerwehr. Der Wind habe aber ständig gedreht und das Feuer in dem schwer zugänglichen Gelände immer wieder angefacht. Die Polizei unterstützte die Einsatzkräfte mit zwei Löschhubschraubern.

In Mönchengladbach rückten die Kräfte aus, weil es auf einem abgeernteten Feld auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern brannte. In Alsdorf bei Aachen waren Polizei und Feuerwehr im Einsatz, um einen Flächenbrand auf einem Feld und einem Gehöft zu löschen.

Weitere punktuelle Brände in NRW konnten zügig gelöscht werden. In einem Waldgebiet in Essen beregnete die Feuerwehr das betroffene Areal wegen der Trockenheit am Dienstagmorgen vorsorglich. «Wir machen alles richtig schön nass», sagte ein Sprecher. Das Innenministerium hatte außerdem alle Regierungsbezirke zu Waldbrand-Überwachungsflügen aufgefordert.

Nach einer sehr warmen Nacht mit Temperaturen um 25 Grad soll es Mittwochmorgen laut DWD-Vorhersage zunächst wolkig bis stark bewölkt werden, im Osten bleibt es noch länger sonnig. Erst ab dem Nachmittag ziehen von Südwesten her Schauer und Gewitter auf, lokal kann es dann heftigen Starkregen geben.

In der Nacht zum Donnerstag drohen dann verstärkt Gewitter. Teils könne es innerhalb kurzer Zeit 40 Liter pro Quadratmeter regnen, teilte der DWD mit. Bei anhaltendem Starkregen sind sogar Mengen von 60 bis 100 Liter pro Quadratmeter innerhalb von drei bis sechs Stunden drin. Außerdem kann es Hagel und Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern geben.

Mit dem erwarteten Regen sinkt voraussichtlich auch die Waldbrandgefahr. Zwar herrschen auch am Mittwoch noch teils hohe Warnstufen in NRW. Von Donnerstag an soll die Situation dann aber entspannter sein.

Am Dienstag machte nicht nur die brütende Hitze den Menschen zu schaffen, an mehreren Orten in NRW wurden zudem mehr als 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft gemessen. Damit wurde die Informationsschwelle überschritten, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte. Rund 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung reagieren besonders empfindlich auf Ozon, mögliche Symptome sind Schleimhautreizungen, Atemwegsbeschwerden sowie Kopfschmerzen. Für Mittwoch rechnete das Amt mit niedrigeren Ozonwerten.

Behörden hatten außerdem vor möglichen Gesundheitsgefahren für Risikogruppen wie Kleinkinder, Senioren, Pflegebedürftige oder chronisch Kranke durch die Hitze gewarnt. Am Kölner Hauptbahnhof starb ein 57 Jahre alter Obdachloser. Ob sein Tod mit der Hitze zu tun hatte, konnte ein Polizeisprecher nicht sagen. «Die Todesursache ist unklar. Anzeichen auf Fremdeinwirkung gibt es nicht.»

Zumindest die Straßen in NRW können Hitzetage mit Temperaturen an die 40 Grad nach Einschätzung von Experten aber ohne größere Schäden überstehen. Moderner Fahrbahnbelag könne mit einem oder zwei Tagen großer Hitze gut umgehen, sagte ein Sprecher der Autobahn GmbH Westfalen. Aufwölbungen der Straße – die sogenannten «Blow Ups» – wären demnach höchstens auf einer Betonfahrbahn möglich. Diese machten aber nur einen kleinen Anteil der Autobahnen aus.