Ukraine-Hilfe: Spendenbereitschaft nimmt mit der Zeit ab

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Jürgen Sawazki, Leiter der Apotheke, und Mitarbeitende der LVR-Klinik Viersen beim Einladen von Hilfsgütern in Transporter. Foto: LVR-Klinik Viersen
Jürgen Sawazki, Leiter der Apotheke, und Mitarbeitende der LVR-Klinik Viersen beim Einladen von Hilfsgütern in Transporter. Foto: LVR-Klinik Viersen

Langenfeld/Viersen/Köln. Die medizinische Versorgung der Menschen in der Ukraine verschlechtert sich von Tag zu Tag. Es fehlt an Medikamenten, Medizinprodukten, intakter Infrastruktur und Personal. Seit mehr als 20 Jahren pflegt die LVR-Klinik Langenfeld einen engen und freundschaftlichen Austausch zur psychiatrischen Partnerklinik Kulparkov in Lviv.

Um vor Ort passgenaue und schnelle Hilfe leisten zu können, arbeiten Angestellte aus den LVR-Kliniken, dem Förderverein der LVR-Klinik Langenfeld und dem gesamten Landschaftsverband Rheinland (LVR) Hand in Hand. Besonders gefordert ist dabei die Apotheke der LVR-Klinik Viersen, die sich um die Organisation der Hilfstransporte kümmert.

Im Interview erklärt der Leiter Jürgen Sawazki, wie bisher geholfen werden konnte und wo die aktuellen Herausforderungen liegen:

Wie sieht die Hilfe des LVR für die Partnerklinik in Lviv konkret aus?
Bisher konnten mit Unterstützung der LVR-Kliniken Viersen, Langenfeld und Bedburg-Hau vier Hilfstransporte mit Medikamenten, medizinischen Hilfsgütern, Lebensmitteln, aber auch Bettwäsche an die Partnerklinik Kulparkov geliefert werden.

Möglich gemacht hat das in erster Linie der Förderverein der LVR-Klinik Langenfeld, der sich laufend um Spendengelder bemüht und persönliche Kontakte zu den Kolleginnen und Kollegen in der Partnerklinik in Lviv pflegt. So konnten bisher Spenden in Höhe von ca. 70.000 Euro gesammelt werden. Dafür möchte ich mich im Namen des Fördervereins und des gesamten LVR ausdrücklich bei allen Spender*innen bedanken! Ohne ihre Unterstützung wäre das alles nicht möglich.

Welche Aufgaben übernimmt die Apotheke der LVR-Klinik Viersen?
Wir sind für die Beschaffung eines Teils der gespendeten Arzneimittel und Medizinprodukte zuständig und verpacken diese auch für den Transport. Beteiligt sind wir auch an der Verpflichtung der Spediteure. Wir erstellen die Exportpapiere und begleiten die mit den Spenden bepackten Fahrzeuge zum Zoll, bis die Fahrer mit allen Zollpapieren ausgestattet sind und ihren Transport durchführen konnten.

Was ist das besondere an den Hilfslieferungen des LVR?
Im LVR haben wir leistungsfähige Strukturen, dank denen wir alle notwendigen Schritte für unsere Hilfstransporte kompetent abdecken können. Dazu gehören zum Beispiel ein professioneller Einkauf, sehr gute Beschaffungsbedingungen und kostengünstige Einkaufspreise. Die Spendengelder kommen zu 100 Prozent der Partnerklinik zu Gute. Kein Cent muss für Verwaltungskosten ausgegeben werden. Außerdem kennen wir die Menschen vor Ort persönlich.

Der Ärztlicher Direktor der Klinik in Lviv meldet uns die aktuellen Bedarfe und danach stellen wir unsere Hilfslieferungen zusammen. Es ist selbstverständlich, dass uns der Erhalt jeder Hilfslieferung bestätigt wird. Daher wissen wir, dass alle bisher gespendeten Produkte intakt und vollständig ankommen sind. Das alles zusammen ist ein Alleinstellungsmerkmal der LVR-Hilfslieferungen.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie aktuell zu kämpfen?
Der LVR bemüht sich um Fördergelder von staatlicher Stelle. Bis die Genehmigung hierfür vorliegt, kann aber noch einige Zeit vergehen. Zeit, die die Menschen in der Ukraine nicht haben. Daher sind wir aktuell allein auf Spenden vom Förderverein der LVR-Klinik Langenfeld angewiesen.

Leider nimmt die Spendenbereitschaft mit der Zeit ab und uns ist bewusst, dass die Menschen auch hierzulande Sorgen haben und die Auswirkungen des Krieges ganz persönlich spüren. Mich motiviert aber Tag für Tag die hohe Einsatzbereitschaft meiner Kolleginnen und Kollegen.

Umso ernüchternder ist die Erkenntnis, dass die leistungsfähigen LVR-Strukturen, die eindeutig vorhanden sind, aktuell nicht für Hilfslieferungen in die Ukraine genutzt werden können, da zur Beschaffung von weiteren Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Produkten schlichtweg das Geld fehlt. Deshalb hoffe ich, dass durch die Verbreitung von Informationen zu unseren Hilfsaktivitäten mehr Spenden auf das Konto des Fördervereins eingehen, die wir wiederum zu 100 Prozent in Form von Hilfslieferungen in unsere Partnerklinik nach Lviv schicken können.