Aktion gegen sexuelle Belästigung: „Catcalling“ kein Kavaliersdelikt

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Catcalling Kreide Aktion
In der Wülfrather Innenstadt können Betroffene von sexueller Belästigung Kreide-Botschaften hinterlassen. Foto: pixabay

Wülfrath. Am Samstag, 13. August, findet in Wülfrath auf dem Heumarkt eine Aktion als Zeichen gegen sexuelle Belästigung statt. Vor allem geht es um das sogenannte Catcalling. 

Begehrliche Blicke, Hinterherpfeifen, übergriffige Kommentare – Belästigungen dieser Art gehören heute zum Alltag nahezu jeder Frau. Für solche sexuell aufgeladenen Aufdringlichkeiten hat sich der Begriff „Catcalling“ etabliert.

„Mit 89 Prozent sind Catcalls die am weitesten verbreitete Form sexueller Belästigung. Für Betroffene sind die Anzüglichkeiten oft sehr belastend“, informiert Franca Calvano, Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Wülfrath. „Am Samstag, 13. August, wollen wir von 10 bis 12 Uhr auf dem Heumarkt mit Frauen und Mädchen zu diesem Thema ins Gespräch kommen“.

Die Betroffenen erhalten so die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit bunter Kreide auf der Straße sichtbar zu machen oder auf einer Postkarte dokumentieren. Die Aktion gibt es auch in weiteren kreisangehörigen Städten. Im November 2022 sollen die Ergebnisse der Sammlung in einer Ausstellung veröffentlicht werden.

„Catcalling ist kein Kavaliersdelikt“

Eva-Maria Düring, Bereichsleiterin des SKFM Mettmann findet eindeutige Worte: „Catcalling ist kein Kavaliersdelikt. Die betroffenen Frauen und Mädchen werden zu Objekten degradiert. Deshalb wird es dringend Zeit, verbale sexuelle Belästigung auch in Deutschland als Straftatbestand anzuerkennen.“

Die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt des SKFM Mettmann und die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Mettmann sind gemeinsam gegen Catcalling aktiv. Sie wollen die Öffentlichkeit sensibilisieren und die Sprachlosigkeit und Scham in Grenzen-setzen zu verwandeln.

Immer mehr Frauen und Mädchen wehren sich gegen die übergriffigen Kommentare und machen sie öffentlich Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen aus dem Jahr 2021 hat ergeben, dass Catcalling in schweren Fällen zu tiefgehender Verunsicherung, Ängsten und psychischen Erkrankungen führen kann.

Strafbar jedoch sind viele dieser Äußerungen in Deutschland nicht, im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Ländern. In Frankreich beispielweise wird Catcalling in extremen Fällen mit einer Geldstrafe bis zu 1500 Euro geahndet. Für weitere Informationen zur Kampagne steht die SKFM-Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt zur Verfügung.

Die Fachberaterinnen sind von Montag bis Freitag telefonisch unter der Rufnummer 02104 1419-226 oder per E-Mail unter sexualisiertegewalt@skfm-mettmann.de erreichbar.