Mann stirbt nach Einsatz: Weiterer Verdacht gegen Polizisten

204
Ein Blaulicht ist auf dem Dach eines Einsatzfahrzeuges der Polizei zu sehen.
Ein Blaulicht ist auf dem Dach eines Einsatzfahrzeuges der Polizei zu sehen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Oer-Erkenschwick (dpa) – Nach einem Polizeieinsatz gegen einen anschließend gestorbenen Randalierer in Oer-Erkenschwick im Kreis Recklinghausen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen vier Beamte wegen Nötigung. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass Einsatzkräfte im Anschluss auf Schaulustige eingewirkt hätten, die das Vorgehen der Polizei gefilmt hatten. In mindestens einem Fall bestehe der Verdacht, dass Beamte ein Video auf dem Handy eines Zeugen gelöscht haben. Das erfülle den Anfangsverdacht einer Nötigung, teilte die Staatsanwaltschaft Bochum am Sonntag mit.

Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Für Rückfragen waren zunächst weder die Staatsanwaltschaft noch die ermittelnde Polizei Dortmund erreichbar.

Der Fall vom 7. August hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Der 39-jährige, der in einer Wohnung randaliert haben soll, verlor während des Polizeieinsatzes das Bewusstsein und starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Die Polizei hatte damals mitgeteilt, der Mann habe so massiven Widerstand geleistet, dass die Polizisten Pfefferspray eingesetzt habe. Gegen die acht beteiligten Polizisten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet.

Woran der 39-Jährige starb, sei auch nach der Obduktion weiterhin unklar, schrieb die Staatsanwaltschaft am Sonntag. Der Mann habe aber wohl unter starkem Drogeneinfluss gestanden.

Den Angaben der Polizei zufolge hatten etwa 150 Schaulustige den Einsatz verfolgt, viele filmten mit ihren Handys. «Nach derzeitigem Ermittlungsstand gibt es Anhaltspunkte dafür, dass eingesetzte Beamte Filmaufnahmen auf den Mobiltelefonen der Zeugen im unmittelbaren Anschluss an die polizeilichen Maßnahmen eingesehen und zumindest in einem Fall auch gelöscht haben könnten», schrieb die Staatsanwaltschaft zum Verdacht der Nötigung durch Beamte.

Eine externe Fachfirma sei damit beauftragt worden, die möglicherweise gelöschten Videos auf den Handys der Zeugen wiederherzustellen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Gleichzeitig appellierten die Ermittler an weitere Zeugen des Einsatzes, sich bei der Polizei Dortmund zu melden.

Die Ermittlungen zu dem Polizeieinsatz im Kreis Recklinghausen führt aus Neutralitätsgründen die Polizei Dortmund – während gleichzeitig die Polizei Recklinghausen im Fall eines von Polizisten erschossenen 16-Jährigen in Dortmund ermittelt. An dieser überkreuzten Zuständigkeit hatte es zuletzt von verschiedenen Seiten Kritik gegeben.