Dachbegrünung selber machen: Expertentipps

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Dachbegründung geht auch im DIY-Stil. Foto: Verbraucherzentrale NRW
Dachbegründung geht auch im DIY-Stil. Foto: Verbraucherzentrale NRW

Düsseldorf. Für die Begrünung von Garagen oder anderen kleineren Dächern benötigt man nicht unbedingt die Hilfe von Profis.

Dachdeckerfirmen oder Garten- und Landschaftsbauunternehmen sind fast das ganze Jahr über stark gefragt. Für das Aufbringen einer Dachbegrünung kann man unter Umständen lange auf ein Fachunternehmen warten. Damit die Pflanzen genügend Wasser zum Anwachsen bekommen, sollte das Gründach im Herbst oder Frühjahr anlegt werden.

Wer jetzt noch kein Unternehmen gefunden hat, braucht jedoch nicht auf die Vorteile durch die besondere Dachgestaltung zu verzichten. Denn eine einfache, sogenannte extensive Dachbegrünung mit nur wenigen Zentimetern Aufbauhöhe kann man in den meisten Fällen selbst umsetzen und neben der Wartezeit auch das Geld für die Dienstleistung sparen.

Wie das geht, weiß Annika Dobbers vom Projekt “Mehr Grün am Haus” der Verbraucherzentrale NRW. Sie möchte den Menschen die Scheu vorm Selbermachen nehmen. und gibt Tipps:

Viele kleine Dächer sind geeignet

Um für Kühle unterm Dach und für ein Bienenparadies oben drauf zu sorgen, sind die meisten Flachdächer von Garagen, Carports, Mülltonnenboxen oder Gartenhäuschen gut geeignet. Überschreitet die Dachneigung 10 Grad, ist normalerweise eine sogenannte Schubsicherung nötig, die das Abrutschen der Begrünung verhindert.

Bei einem rutschsicheren und wurzelfesten Dachmaterial kann man darauf bei kleinen Flächen und nach individueller Abwägung auch verzichten. Wichtig aber in jedem Fall ist die Prüfung der Statik: Das Dach sollte die zusätzliche Last tragen können. Eine extensive Dachbegrünung wiegt im nassen Zustand zwischen 80 und 180 kg pro Quadratmeter – das entspricht in etwa einem herkömmlichen Kiesbelag.

Substrat und Pflanzen als wichtigste Materialien

Wer es ganz unkompliziert halten möchte, kann auf seinem Dach eine Schicht Pflanzsubstrat aufbringen und dort trockenheitsverträgliche Pflanzen setzen – fertig. Man verwendet dafür sogenanntes Einschichtsubtrat, mindestens acht Zentimeter Je nach Beschaffenheit des Dachs ist es wichtig, noch eine Wurzelschutzfolie als unterste Lage aufzubringen, um ein Einwachsen von Wurzeln in die Dachhaut zu verhindern.

Zusätzlich kann man auch ein Vlies als leichten Wasserspeicher und als Schutz der Dachhaut auf der Folie anbringen. Die Materialien sind im gut sortierten Bau- oder Gartenhandel sowie online erhältlich. Es gibt auch vorgefertigte Pakete mit allem, was man braucht, inklusive Pflanzen zu kaufen.

Wasserablauf frei- und Regen zurückhalten

Eine Kiesfangleiste am Rand des Dachs erfüllt den Zweck, dass die Begrünung nicht weggespült oder -geweht wird. Etwas Kies zwischen Substrat und dem Dachabfluss hilft, diesen frei von organischem Material zu halten. Gegebenenfalls kann man den Kies auch auf dem gesamten Dachrand als Trennung zur Umgebung aufbringen.

Damit die Pflanzen in trockenen Phasen etwas besser mit Wasser versorgt werden und Regen verzögert abläuft, ist der Aufbau um eine weitere Vliesschicht unter dem Pflanzsubstrat mit sogenannten Dränelementen erweiterbar. Diese bestehen aus unterschiedlichen Materialien und erinnern in ihrer Form an Eierkartons. Setzt man Dränelemente ein, verwendet man ein dafür ausgelegtes Mehrschichtsubstrat.

Keine Scheu vorm Experimentieren

Es gibt viele Möglichkeiten, das Dach zu bepflanzen. Möchte man schnell einen dichten grünen Teppich erzeugen, bieten sich vorgefertigte, bepflanzte Matten mit niedrigen Arten zum Ausrollen auf dem Substrat an, ähnlich wie ein Rollrasen. Wer die Pflanzen lieber selbst auswählt, setzt besser fertige kleine Stauden ein oder verwendet Samenmischungen.

Dabei kann man auf heimische und insektenfreundliche Arten oder farbenfrohe Dauerblüher achten, um etwas für die Artenvielfalt und das Auge zu tun. Sogar genügsame Kräuter wie Majoran, Thymian oder Schnittlauch wachsen auf dem Dach. Geld sparen kann man etwa mit abgetrennten Sprossen von Sedumpflanzen. Mit genügend Wasser und etwas Zeit wachsen sie im Substrat an und breiten sich flächendeckend aus.

Eine Materialaufstellung, Pflanzliste und Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Dachbegrünung gibt es unter www.mehrgruenamhaus.de, außerdem ein Video mit dem Beispiel der Begrünung eines Gartenhäuschens.