9-Euro-Ticket: Wie in einem Märchen

295
Das 9-Euro-Ticket konnte unter anderem über digitale Vertriebswege erworben werden. Foto: Volkmann
Das 9-Euro-Ticket konnte unter anderem über digitale Vertriebswege erworben werden. Foto: Volkmann

Das 9-Euro-Ticket ist Geschichte. Die Geschichte hatte was von einem Märchen: zu schön, um wahr zu sein. Ein Kommentar.

Wie aus einem schönen Traum wachen wir auf und landen in der Realität. Zurück im Wirrwarr des Tarifdschungels. Nichts lädt mich mehr ein, das Auto stehen zu lassen.

Natürlich gibt es keine Nachfolge-Regelung. Wir sind ja eben nicht im Märchen, wo alles gut wird.

Dabei war es ja schon absurd, den Nahverkehr zu verbilligen und gleichzeitig (!!!) die Spritpreise zu senken. Womöglich wären ja sonst noch mehr Menschen umgestiegen. Aber diese Absurdität entspricht ja den Gegensätzen dieser Regierung, die in dieser Frage allerdings auch ein Spiegelbild der Gesellschaft ist.

Man hätte sich für eines entscheiden müssen. Die Energiekrise im Blick hätte das das 9-Euro-Ticket sein müssen. Ohne Tankrabatt. Aber Politik ist eben vor allem immer auch Kompromiss.

Das 9-Euro-Ticket war nicht nur einfach schön, es hat auch alle Schwachstellen schonungslos aufgedeckt. Vor allem: Dass seit Jahrzehnten zu wenig in den öffentlichen Nahverkehr investiert wurde.

Denn jetzt stellen wir uns vor: Busse, Bahnen und Züge kämen pünktlich und regelmäßig. Sie wären auch in Stoßzeiten nicht überfüllt. Das Ticket wäre günstig und überall gültig. Es wäre im Wortsinne kinderleicht, den Nahverkehr zu nutzen.

Wie viele Menschen würden dann erst umsteigen? Nicht nur, weil sie das Klima schonen wollen? Sondern weil es angenehm, bequem und günstig ist?

Das 9-Euro-Ticket wird sich niemals „rechnen“ im Sinne von Kosten decken. Aber es war auch Wirtschaftsförderung im besten Sinne. Denn die ganzen Ausflügler haben ja auch irgendwo was gegessen und getrunken. Sehenswürdigkeiten besucht und Eintritt bezahlt.

Das individuelle Auto wird auf vielen Strecken immer bequemer und vor allem schneller sein. So viel Nahverkehr lässt sich gar nicht einrichten.

Zu befürchten bleibt allerdings, dass eine mögliche Nachfolge-Regelung wieder ein Kompromiss aus vielen Interessen wird. Wenn Verkehrsbetriebe beispielsweise ein Ticket für 69 Euro im Monat vorschlagen, haben sie gar nichts kapiert.

Das 9-Euro-Ticket ist aber vor allem in einer Hinsicht ein voller Erfolg: Es hat eine breite Diskussion angestoßen, aufgezeigt, was möglich wäre, wie die Wünsche und Bedürfnisse vieler Menschen aussehen.

Und ist es nicht so, dass Märchen den Menschen den Weg weisen sollen? Um am Ende glücklich ans Ziel zu kommen?