Die Geschichte einer Helden-Reise

298
Das Mallorca Magazin berichtete auf der Titelseite über die Reise der beiden Wülfrather mit dem Rad auf die Insel. copyright: Mallorca Magazin

Wülfrath. Werner und Jens Platzhoff sind zurück von ihrer Abenteuerreise mit dem Fahrrad nach Mallorca. Wie es war? „Megageil“, sagt Jens Platzhoff.

Sie sind zurück in der Heimat, in Wülfrath-Flandersbach. Zurück von einem Abenteuer. Nach Mallorca reisen ja Millionen Menschen im Jahr. Aber mit dem Fahrrad?

Tausende haben das Abenteuer von Werner und Jens Platzhoff verfolgt, die Berichte im Super Tipp gelesen, die Fotos gesehen, die Reise auf Facebook kommentiert. Fremde haben Glück gewünscht und gratuliert.

„Sie haben doch bestimmt gedacht: Die sind verrückt, oder?“, sagt Werner Platzhoff, als wir uns wiedertreffen in Flandersbach. Naja: Mit 81 Jahren und einem künstlichen Darmausgang mit dem Fahrrad nach Mallorca fahren zu wollen?

Werner und Jens Platzhoff haben das schon einmal gemacht, allerdings waren beide da 20 Jahre jünger. Und Werner Platzhoff hatte auch noch nicht seine Krebserkrankung. Er geht ganz offen damit um, will Mut machen, zeigen: Das Leben ist nicht vorbei.

Und sein Sohn: Jens Platzhoff hatte ja irgendwie auch die Verantwortung für den Vater mit im Gepäck. „Ist alles gut gegangen“, erzählt er und man spürt, wie ihn das befreit hat. Das steckt in seinem Satz: „Es ist auch gut, wieder zu Hause zu sein.“ Da ist auch eine Last abgefallen.

„Es war das Größte, was wir je gemacht haben“, berichtet Jens Platzhoff. Die beiden Männer hatten diesmal mehr Zeit als vor 20 Jahren, als sie die Tour in zwölf Tage gepackt hatten. Jetzt haben sie die Strecke in 20 Etappen aufgeteilt und vier Ruhetage eingebaut.

Mehr Zeit, das Abenteuer in sich aufzunehmen. Die Wülfrather schwärmen von der Gastfreundschaft, die sie unterwegs erfahren haben. Von Radwegen „breit wie die A 3“. Sie  erzählen von dem Fahrradladen in Mainz, wo an Jens`Fahrrad eine Speiche gewechselt werden musste. Und der Händler ihnen eine weitere mitgegeben hat. Sicher ist sicher. Sie sollten sie noch brauchen.

Zwei Platten hatten sie auf der Tour. Und einen Kratzer am Arm von Vater Werner, als er in einem Tunnel kurz eine Wand gestreift hat. „Ist gut gegangen“, sagt Jens Platzhoff, der den Arm verbunden hat, damit es nicht blutet. Der Vater nimmt schließlich einen Blutverdünner.

Viermal haben sich Werner und Jens Platzhoff ein Hotelzimmer genommen. Ansonsten haben sie ihr Zelt aufgeschlagen. Werner Platzhoff erzählt, er habe „gepennt wie ein Bär“, was jeder sofort glaubt, der Ähnliches erlebt hat.

Für die nächtliche Überfahrt von Barcelona nach Mallorca haben sie sich auch noch eine Kabine mit Dusche genehmigt. Um sich dann in Palma in der aufgehenden Sonne vor dem Schild „Welcome to Palma“ fotografieren zu lassen, frisch geduscht, versteht sich.

Dieses Gänsehaut-Foto hat dann auch das Mallorca-Magazin gedruckt. Mehr noch: Die Kollegen aus Palma haben den Reisenden aus Wülfrath ihre Titelseite gewidmet. Die Geschichte einer Helden-Reise.

„Die Hitze war unser größte Feind“, zieht Jens Platzhoff Bilanz. Kein Wunder bei Temperaturen bis 38 Grad. Es war so heiß, dass sie sich am Ziel in Calla Millor nicht mal länger am Strand aufhielten. „Ich war jeden Tag im Wasser“, erzählt Jens Platzhoff, aber mal ehrlich: Am Strand liegen, das kann man sich bei den beiden Radfahrern ohnehin nicht vorstellen, oder?

1.974 Kilometer waren es übrigens bis zum Ziel. Eine Zahl, die sich leicht merken lässt: 1974 – das Jahr der Weltmeister. Am Ende sind es natürlich noch ein paar Kilometer mehr geworden, denn die Wülfrather haben mit Freunden und Rennrädern noch ein paar Kilometer auf der Insel gemacht. Was denn sonst.

Inzwischen sind sie wieder im beschaulichen Flandersbach angekommen. Die Räder sind noch „unten“. Jens Platzhoff holt sie im Oktober mit dem Auto ab.

Sind sie verrückt? Das wollte Vater Werner Platzhoff doch wissen. Ja natürlich! Man muss verrückt sein, um so ein Abenteuer zu wagen. Aber vor allem überwiegt ein Gefühl: Bewunderung. Bewunderung für so viel Mut. Und dann ist da noch: Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, an dieser Geschichte, wenn auch nur als Autor, ein klein wenig beteiligt gewesen zu sein.

Am Strand liegen? Auf der Insel waren Werner und Jens Platzhoff dann auch noch mit Rennrädern unterwegs…
…schießlich haben Freunde darauf gewartet. Fotos: privat