Verdi nach Absage in Heiligenhaus: „Sonntagsschutz ist Arbeitnehmerschutz“

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Auch ohne den verkaufsoffenen Sonntag wird es für Besucher einiges zu sehen geben in der Heiligenhauser City. Foto: Mathias Kehren/Archiv
Auch ohne den verkaufsoffenen Sonntag wird es für Besucher einiges zu sehen geben in der Heiligenhauser City. Foto: Mathias Kehren/Archiv

Heiligenhaus. Der im Rahmen des Oldtimertreffs geplante verkaufsoffene Sonntag fällt aus in Heiligenhaus. Von der Gewerkschaft heißt es: „Sonntagsschutz ist Arbeitnehmerschutz“.

Wenn der Oldtimertreff am 11. September in Heiligenhaus stattfindet, dann ohne den ursprünglich geplanten verkaufsoffenen Sonntag, wie inzwischen angekündigt wurde. Grund für die Absage durch die Stadt Heiligenhaus war ein von der Gewerkschaft Verdi gestellter Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht.

Ziel der Gewerkschaft war, die Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte am Sonntag in Heiligenhaus zu verhindern – und somit gleichsam die Sonntagsarbeit für die Beschäftigten.

Stephanie Peifer, Verdi-Geschäftsführerin des Bezirks Düssel-Rhein-Wupper, erklärte hierzu: „Die Stadt Heiligenhaus hat die Verordnung unter klarer Missachtung der gesetzlichen Vorgaben und der ständigen Rechtsprechung des OVG NRW beschlossen“. Daher habe die Gewerkschaft den Antrag an das OVG gestellt. Wenn man Sonntagsarbeit im Einzelhandel verhindern könne, „dann machen wir das auch“, so Peifer. Die Geschäftsführerin gibt an, sich bewusst darüber zu sein, dass derlei Gerichtsverfahren bei den betroffenen Einzelhändlern und auch manchem Kommunalpolitiker „auf wenig Gegenliebe stoßen“.

Beanstandet hatte die Gewerkschaft die Beschlussfassung als Dringlichkeitsentscheidung und die fehlende Prägung des Geschehens durch das Oldtimertreffen.

Heiligenhaus ist mit seiner Absage des verkaufsoffenen Sonntags nicht allein in der Region: Mit einem ähnlichen Antrag war Verdi im Frühjahr in Düsseldorf und erst am vergangenen Wochenende in Remscheid erfolgreich.

Verdi: Feuchte Träume des Neoliberalismus

Gewerkschafterin Pfeifer erklärte zur Eilantragsstellung: „Für den lokalen Einzelhändler ist eine Ladenöffnung am Sonntag ein Wettbewerbsvorteil, mit dem er der Konkurrenz in den Nachbarorten Kunden abjagen kann. Und die ziehen dann nach. Das ist wie beim Fußball: steht einer auf kann er besser sehen. Dann stehen die anderen auch auf, wenn sie etwas sehen wollen und am Ende stehen alle, statt bequem zu sitzen“.

Mit der Absage des verkaufsoffenen Sonntags in Heiligenhaus sieht Verdi sich bestätigt in dem Grundsatz: „Sonntagsschutz ist Arbeitnehmerschutz“, wie Pfeifer bekräftigt. Bei Ladenöffnungen rund um die Uhr müsse niemand am Sonntag einkaufen gehen, hieß es.

Die Gewerkschaft tritt seit längerer Zeit dafür ein, Sonntagsarbeit zu beschränken. Einen Seitenhieb auf die von Klaus Kreutzer vom Handelsverband geäußerte Forderung nach der Abschaffung des verfassungsrechtlichen Schutzes des Sonntags kann Stephanie Peifer sich nicht verkneifen: „Die Verfassung ändern, damit man auch sonntags in Heiligenhaus Socken kaufen kann, auf solche Ideen muss man erstmal kommen“, kommentierte sie. Aus Sicht von Verdi seien derartige Forderungen „feuchte Träume aus der Traumwelt des Neoliberalismus“.

Der Oldtimertreff in Heiligenhaus findet auch ohne offene Geschäfte am Sonntag statt. Das Rahmenprogramm sei nicht betroffen, heißt es aus dem Rathaus. Dort ist man sicher, dass man „den Besucherinnen und Besuchern dennoch einen interessanten und schönen Sonntag in der Heiligenhauser Innenstadt“ bieten könne.