Handelsverband: Kerngesunde Unternehmen geraten in Schieflage

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Einkaufswagen stehen für Kunden bereit. Foto: pixabay
Einkaufswagen stehen für Kunden bereit. Foto: pixabay

Düsseldorf. Auf der Landesdelegiertenversammlung des Handelsverbandes NRW drehten sich die Diskussionen nicht nur um Corona-Folgen und Energiekrise. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hatte ein offenes Ohr für die Sorgen und Fragen der Händler.

Am Dienstag kamen im Düsseldorfer Haus des Handels zahlreiche Händlerinnen und Händler zur Landesdelegiertenversammlung des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen (HV NRW) zusammen. Als Gastrednerin war NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur eingeladen.

Einen Schwerpunkt der Diskussionen bildeten die Auswirkungen der Energiekrise auf den Einzelhandel. Deutlich geschwächt kommen viele Handelsbranchen aus den letzten beiden Pandemiejahren und stehen nun vor rasant steigenden Energiekosten bei zunehmend schlechter Konsumstimmung.

Handelsverband-NRW-Präsident Michael Radau und Hauptgeschäftsführer Peter Achten berichteten von der aktuellen Lage im Handel in NRW und stellten aktuelle Umfrageergebnisse vor. Radau: „Wir sind in herausfordernden Zeiten“.

Gut die Hälfte der Händler (57 Prozent) berichtet laut Umfrage über eine deutlich geringere (39 Prozent) oder gar drastisch geringere (18 Prozent) Kundenfrequenz bei gleichzeitiger Strompreiserhöhung von durchschnittlich 87 Prozent und Wärmeenergiepreiserhöhung von 99 Prozent.

„Das bedeutet, dass mitunter kerngesunde Unternehmen in eine Schieflage geraten, aus der sie alleine nicht mehr herauskommen!“, erläutert Achten. Und da kämen die aktuelle Kaufzurückhaltung und weitere Faktoren wie etwa teurere Logistik noch oben drauf.

Die Aktivität der Energiesparmaßnahmen im Handel ist indes enorm. Laut Umfrage planen vier von fünf (82 Prozent) Unternehmen individuelle Schritte zur Einsparung, jedes vierte beteiligt sich an gemeinschaftlichen Maßnahmen. Die Bandbreite reicht von kürzeren Beleuchtungs- oder sogar Öffnungszeiten über reduzierte Raumtemperaturen bis hin zur Stilllegung von Rolltreppen.

Passend zu diesem aktuellen Thema hielt Patrick Schütz von der Klimaschutzoffensive des Handels den Impulsvortrag „Jetzt Einsparpotenziale heben – die Angebote der Klimaschutzoffensive“. Der Handelsverband NRW hatte jüngst eine Plakat-Aktion für den Einzelhandel gestartet, mit der Kunden auf die Energiesparmaßnahmen der Unternehmen aufmerksam gemacht werden sollen. Die Aktion wurde weit im Voraus der Verordnung EnSikuMav geplant. Ministerin Neubaur zeigte sich begeistert von der Aktion und dem Engagement der Händler in diesen schweren Zeiten.

Neubaur: „Wir wollen den Handel weiter stärken!“

Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: „Ich habe großen Respekt davor, wie engagiert und bereitwillig die Händler dazu beitragen wollen, Energiesparmaßnahmen umzusetzen und mit einer eigenen Kampagne auf Einsparpotenziale aufmerksam zu machen. Nur gemeinsam können wir die aktuellen Herausforderungen bewältigen. Gleichzeitig wollen wir den Handel weiter stärken, mit zielgenauen Programmen unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ Und auch wenn es nicht im Titel des Ministeriums stehe, so sei sie auch Handelsministerin.

Das griffen die Anwesenden gerne auf und trugen ihre Sorgen vor. Von der Bitte um Augenmaß der Ordnungsämter in Sachen Umsetzung des EnSikuMav, großen Hemmnissen im Baurecht und dem Thema verkaufsoffene Sonntage stellte sich die Ministerin den Fragen aus dem Plenum.