Neviges: 50 Jahre Jugendzentrum – und es geht weiter

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Liav (7) und Vittorio (8) probieren den Kletterturm aus. Foto: Volkmann
Liav (7) und Vittorio (8) probieren den Kletterturm aus. Foto: Volkmann

Velbert. Seit 50 Jahren gibt es das Jugendzentrum in Neviges. Und Schluss ist noch lange nicht – unter dem Motto „weiter geht’s“ feiert man den runden Geburtstag. 

Der Start des Kinderfestes zum Jubiläum ist den Organisatoren rund um Corinna Schulz und Laura Gundermann gelungen. Lange haben sie geworben für die Aktionswoche im Frühherbst – und die Mühen haben sich gelohnt: Rund 200 Besucher, darunter viele Kinder, strömten gegen 14 Uhr auf dem Bolzplatz an der Goethestraße. Aufgefahren hatte das Jugendzentrum dort ein buntes Programm – Hüpfburg, menschlicher Kicker, Riesen-Twister, Spielattraktionen gab es reichlich rund um das zentrale Zirkuszelt. Auch die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz haben sich nicht lange bitten lassen. Einsatzfahrzeuge, das geht bei Kindern immer.

Zur Eröffnung war Velberts Bürgermeister Dirk Lukrafka zu Gast: Ein „Nucleus“ – ein Kern – sei das Jugendzentrum in Neviges, dessen Betrieb durch „viel persönlichen Einsatz“ gestemmt werde, nicht nur von den Mitarbeitenden, sondern auch durch das Ehrenamt. Insbesondere die Vereine seien es, die sich engagieren, darunter die Sportfreunde Siepen, der Nevigeser Turnverein oder der Förderverein der Feuerwehr. Tragende Rollen würden auch die Schulen und Kitas einnehmen. „Ein Rad muss ins andere greifen“, so Lukrafka.

Startschuss unter Applaus

Der offizielle Start des Festes wurde von Applaus begleitet. Im Siepen hängt man am Jugendzentrum, es gibt eine tief im Ortsteil verwurzelte Verbindung. Die Kinder von damals sind die Engagierten von heute, ihr Nachwuchs die Besucher im Zentrum. Auch viele Jugendliche halfen mit, um die Feier auf die Beine zu stellen. Einen besonderen Anteil am Gelingen hat Thomas Holtermann. Er ist als Ehrenamtlicher zur Stelle, wo immer seine Hilfe benötigt wird. Für die Jubiläumsaktion habe er sich sogar extra Urlaub genommen, freut sich die Leiterin des Jugendzentrums Corinna Schulz.

Das Nevigeser Jugendzentrum ist nicht nur 50 Jahre alt, es ist zugleich ein Erfolgsmodell über diesen Zeitraum. Wie man es schafft, die Kinder zum Besuch zu motivieren, wo zu Hause TV, Tablet und Konsolen locken? „Wir holen die Kinder bereits in den Schulen ab“, erklärt Schulz. Entsprechend eng seien die Kooperationen mit den Bildungseinrichtungen im Siepen.

Seit 31 Jahren ist Corinna Schulz dabei, immer schon mit Einsatz und Ehrgeiz. Vor allem letzteren braucht es heute, denn „wir müssen bewusster etwas tun, damit die Kinder zu uns kommen“. Früher waren viele „Schlüsselkinder“ im Jugendzentrum, sie kamen mangels Alternativen. Unter anderem durch den Offenen Ganztag hat sich das gewandelt. Heute muss man die Kinder und Jugendlichen mit Angeboten locken. Dem Jugendzentrum in Neviges gelingt das offensichtlich gut, wenn man die Resonanz auf das Jubiläumsfest als Maßstab heranzieht. Trotz Ferienstart ist der Andrang groß.

Seit 50 Jahren gibt es das Jugendzentrum in Neviges. Foto: Volkmann
Seit 50 Jahren gibt es das Jugendzentrum in Neviges. Foto: Volkmann

Freizeitangebote gibt es viele: von Kreativ-Workshops über Musik bis hin zu digitaler Bildung. Ein Renner sind die Ferienfreizeiten, unter anderem zum Schloss Dankern.

Was es hingegen nicht gibt im Jugendzentrum, sind Smartphones. „Wir haben ein Handyverbot“, erklärt Schulz. Die Kinder wolle man „face to face“ erreichen, meint Laura Gundermann – also nicht über Facebook, Instagram, TikTok und Co. Und so überraschend das erscheinen mag in der heutigen Zeit, wo Themen wie Computersucht, Cybermobbing oder Hate-Speech drängende Probleme auch an Schulen sind: es kommt an bei den Kindern und Jugendliche. Freizeit ohne Display wird gern genutzt.

Stattdessen gibt es reichlich Action: Tanzperformances oder Gesang fordern von den jungen Akteuren vollen Einsatz. Und sie lassen sich gern darauf ein. Es kommt ihnen zugute: „Wir wollen das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen fördern, damit sie gut ins Leben starten“, erklärt Corinna Schulz. „Partizipation“, das sei der Schlüssel zum Erfolg. Nicht nur die Eltern bringen sich ein, auch die Kinder arbeiten aktiv an der Gestaltung mit. Regelmäßig stattfindende Vollversammlungen dienen dem Jugendzentrum als Ideenschmieden.

Abendliche Live-Musik für alle am Freitag und Samstag

Was die Gruppen an Auftritten erarbeitet haben, können Besucher am Samstagabend ab 14 Uhr im Zirkuszelt sehen: bis 17 Uhr gibt es dort Ballett, Hip-Hop, Rap, Zumba-Tanz oder Songs unplugged. Am Samstagabend ab 18 Uhr stehen dann Project X, Fire Bulls oder die Old-Stars-Band auf der Bühne – mit Coversongs von AC/DC bis zu den Foo Fighters.

Auch am heutigen Freitagabend gibt es noch bis 22 Uhr Musik: zu Gast sind „Red Gain“ mit Rock und Blues, „HardNberg“ mit krachendem Metal und „FuseOneSix“ mit Punkrock-Songs.

Es ist ein rauschendes Fest, das man für das Jugendzentrum Neviges feiert. Dass sich darüber am Ende nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch deren Eltern, die Stadtverwaltung, die lokale Politik, und nicht zuletzt die Ehemaligen freuen, zeigt, wie sehr die Einrichtung im Siepen verwurzelt ist – seit 50 Jahren. Und auch im nächsten halben Jahrhundert.

Am Freitagnachmittag war es voll - das Wetter spielte mit. Foto: Volkmann
Am Freitagnachmittag war es voll – das Wetter spielte mit. Foto: Volkmann