Bittere Erkenntnis: Schalke ist nur ein normaler Aufsteiger

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Schalkes Maya Yoshida sitzt nach dem Tor zum 2:3 auf dem Rasen.
Schalkes Maya Yoshida sitzt nach dem Tor zum 2:3 auf dem Rasen. Foto: David Inderlied/dpa

Gelsenkirchen (dpa) – Der Frust war groß, die Emotionen schlugen hoch: Als aus einem Punkt für die Moral eine schmerzhafte 2:3-Niederlage gegen den FC Augsburg geworden war, reifte eine bittere Erkenntnis. Der FC Schalke 04 ist aktuell kein Top-Club, der mit dem Aufstieg einen Ausrutscher repariert hat. Der Traditionsverein ist ein ganz normaler Aufsteiger, der wohl bis zum Saisonende gegen den Abstieg wird kämpfen müssen. Das haben auf Schalke alle geahnt oder gewusst. Aber sie haben doch gehofft, dass es anders ist.

«Boah, wir waren so nah dran, das Spiel in unsere Richtung zu drehen. Und am Ende hast du null Punkte und dazu noch Verletzte», sagte Sportchef Rouven Schröder. «Eigentlich war es ein Spiel, wie du es dir wünschst», sagte Schröder mit Blick auf die Tatsache, dass sein Team ein 0:2 aufholte und bei 2:2 nach der Gelb-Roten Karte gegen Mergim Berisha plötzlich auch noch in Überzahl spielte. «Dann kommt Gänsehaut-Stimmung auf, du hast das Gefühl, jetzt dreht es sich. Da hätte es ein St.-Pauli-Feeling gebraucht, dann hätten wir das Ding ganz gedreht.»

Mit dem «St.-Pauli-Feeling» spielte Schröder auf das entscheidende Spiel um den Aufstieg an. Doch das war noch in der 2. Liga. Zurück im Oberhaus zahlen die Schalker weiter fleißig Lehrgeld. Bei 2:2 in Überzahl «waren die Jungs ein bissle gierig. Sie wollten es erzwingen und wurden unruhig», sagte Trainer Frank Kramer: «Das darf man ihnen nicht vorwerfen. Aber das müssen wir besser machen.» Schröder stellte fest: «Der heutige Lernprozess heißt: Wenn du kein drittes Tor schießt, darfst du kein drittes mehr bekommen. Wenn du hier nach dem Spielverlauf mit einem Punkt rausgehst, ist das klar ein ganz, ganz positives Ergebnis.» Das war es nach den Toren von Simon Terodde (33. Minute) und Tom Krauß (63.), nachdem Ermedin Demirovic Augsburg per Doppelpack (9. und 21.) in Führung gebracht hatte. Aber dann kam die kalte Dusche trotz Überzahl durch FCA-Routinier André Hahn.

Den Schalkern fehlen keineswegs Mentalität und Leidenschaft, auch das hatte sich am Sonntag gezeigt. Dafür aber die Qualität, vor allem in der Breite. Deshalb wiegt die Verletzung von Sepp van den Berg, der sich eine schwere Bänderverletzung zugezogen hat, auch so schwer. «Das ist bitter, weil der Junge Schritt für Schritt seinen Weg gegangen war», sagte Schröder: «Und in der Innenverteidigung sind auch schon Ibrahima Cissé und Marcin Kaminski verletzt. Es werden weniger.» Wie van den Berg wird auch Offensivspieler Rodrigo Zalazar in diesem Jahr nicht mehr spielen können, er erlitt gegen Augsburg einen Mittelfußbruch.

Auch an Konkurrenten im direkten Tabellen-Umfeld. Zwar stehen die Schalker als 15. noch über dem Strich, doch haben sie sich erst einmal auf Sicht ganz unten eingenistet. Der Zwölfte Mainz hat mit elf Zählern schon fast doppelt so viele geholt wie die Königsblauen. Die reisen nun zum Keller-Duell nach Leverkusen, wo der gegnerische Trainer Gerardo Seoane gewinnen muss, um seinen Job zu retten.

Wegen all dieser Umstände war das Augsburg-Spiel so wegweisend. Und die Niederlage so bitter. Nach dem Schlusspfiff flogen von den Tribünen Bierbecher auf Augsburgs Manager Stefan Reuter und laut Trainer Enrico Maaßen ein Feuerzeug auf Torhüter Rafal Gikiewicz. Und auch bei den Spielern saß die Enttäuschung tief. Torjäger Simon Terodde musste nach dem Schlusspfiff zurückgehalten werden, als er Gikiewicz die Meinung geigte. «Ich bin ein sehr emotionaler Spieler», erklärte Terodde: «Und so ein Spiel am Ende zu verlieren, tut einfach weh.»