Mehrere hundert Trauernde nehmen Abschied von Malte C.

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Der Trauerzug bewegt sich zum Urnengrab des an den Folgen einer Gewalttat verstorbenen Malte C.
Der Trauerzug bewegt sich zum Urnengrab des an den Folgen einer Gewalttat verstorbenen Malte C. Foto: Bernd Thissen/dpa

Münster (dpa/lnw) – Der Platz in der kleinen Kapelle auf dem Waldfriedhof Lauheide östlich von Münster reicht gerade so aus. Mehrere Hundert sind gekommen. Der Ton der Trauerfeier für den Ende August beim Christopher Street-Day getöteten Malte C. wird zusätzlich nach draußen übertragen. Vor der Tür steht noch eine handvoll Menschen. Einige gehen später noch an das Urnengrab und wollen Blumen niederlegen. Dort, wo bereits ein Kranz des Queer-Beauftragten der Bundesregierung liegt.

Der Tod des Transmannes Malte C. hatte vor rund fünf Wochen bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der 25-Jährige hatte beim Christopher Street-Day in Münster am 27. August Zivilcourage gezeigt – und wurde bei einem Angriff tödlich verletzt. Zuvor hatte er einen 20-Jährigen aufgefordert, zwei Frauen nicht länger mit den Sprüchen «Lesbische Hure» oder «Verpisst euch» queerfeindlich zu beschimpfen. Daraufhin schlug der Mann mit der Faust zu und verletzte Malte C. schwer. Nach dem Sturz auf den Hinterkopf starb der 25-Jährige im Krankenhaus wenige Tage später im Krankenhaus. Der Tatverdächtige war geflohen und wurde später von einer Ermittlerin der Mordkommission am Hauptbahnhof in Münster entdeckt und festgenommen. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft und äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Der Mann ist polizeibekannt und bereits wegen mehrfacher Körperverletzung vorbestraft.

Die Vereine und Gruppen aus der Queeren-Community in Münster, die die Trauerfeier organisiert haben, hatten am Dienstag mit knapp 1000 Trauernden gerechnet. Auf dem Friedhof hatten sich am Ende aber deutlich weniger versammelt. Zuvor war Malte C. am Dienstag bei einer nicht öffentlichen Beerdigung beigesetzt worden.

Bundesweit hatten am Tag der Beerdigung zahlreiche Behörden an öffentlichen Gebäuden und Geschäftsleute Regenbogenflaggen als Zeichen der Solidarität gehisst und sind damit einem Aufruf zahlreicher Vereine, Kirchengemeinden und Initiativen aus Münster gefolgt. Münsters Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf zeigte sich bei Twitter mit Regenbogenfahne im Kreis von Polizistinnen und Polizisten. In Düsseldorf hatte sich das NRW-Familienministerium angeschlossen. Auch das Sozialministerium des Landes Brandenburg in Potsdam hatte die Regenbogenflagge gehisst.

Die Bezirksregierung Münster hisste die «Pride»-Flagge als Trauerbeflaggung und würdigte den Toten in einem Twittereintrag mit den Worten: «Malte C. ist nach einem Gewaltangriff seinen schweren Verletzungen erlegen, nachdem er in einem beispiellosen Maß für die Rechte der #LGBTQ+ Community einstand.» Die englische Abkürzung «LGBTQI+» steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-Menschen, queere sowie intergeschlechtliche Menschen für weitere Identitäten.

Transmenschen oder Transgender sind Personen, die sich dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fühlen. Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.