Kohleausstieg: Klimaschützer wollen Tagebau-Ort verteidigen

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Eine Barrikade versperrt die Zufahrt zum von den Einwohnern verlassenen Ort Lützerath im Rheinischen Revier.
Eine Barrikade versperrt die Zufahrt zum von den Einwohnern verlassenen Ort Lützerath im Rheinischen Revier. Foto: Arnulf Stoffel/dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) – Nach der Entscheidung über dem vorgezogenen Kohleausstieg rückt der zum Abbaggern vorgesehene Ort Lützerath am Tagebau Garzweiler in den Blickpunkt. Der Chef des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber, sagte, er hoffe, dass es dort nicht zu ähnlich heftigen Protesten komme wie im Hambacher Forst. Er habe absolutes Verständnis für andere Meinungen und Proteste, solange sie friedlich blieben, sagte der RWE-Chef der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ/Mittwoch). An dem dicht an der Tagebaukante gelegenen, von den ursprünglichen Bewohnern verlassenen Ort hielten sich auch am Mittwoch Aktivisten auf.

«Einen Ort, der schon verlassen ist, jetzt zum Symbol zu machen, kann ich nicht nachvollziehen», sagte Krebber. RWE und die Politik hätten eine Lösung gefunden, die der Versorgungssicherheit und dem Klimaschutz gleichermaßen Rechnung trage. Durch den geplanten früheren Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier im Jahr 2030 sollen 280 Millionen Tonnen CO2 unter der Erde bleiben.

Die Aktivisten leben in dem Ort in Zelten, Häusern, Wohnwagen und Baumhäusern. Sprecher örtlicher Klimaschutzgruppen kündigten Proteste und Blockaden an. Aus ihrer Sicht wird die Kohle unter dem ländlichen Ortsteil von Erkelenz nicht benötigt. Luftaufnahmen zeigten, wie nah der Tagebau den wenigen Häusern gekommen ist.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) verteidigte den Entschluss zur Nutzung der Ortschaft für die darunter liegende Kohle. Sie habe Gutachten in Auftrag gegeben, ob der Erhalt Lützeraths möglich sei, sagte die Grünen-Politikerin der «Rheinischen Post» (Mittwoch/online).

Alle drei Gutachten – in energiewirtschaftlicher, wasserwirtschaftlicher und tagebauplanerischer Hinsicht – seien zu dem Schluss gekommen, dass dies bei den notwendigen Energiemengen zur Wahrung der Energiesicherheit nicht möglich sei. «Sich darüber hinwegzusetzen wäre unverantwortlich und nicht mein Anspruch, Politik zu gestalten», sagte Neubaur.

Zur Räumung werde es im Sinne der Deeskalation Gesprächsangebote für die Initiativen geben. Sie habe Respekt davor, dass ein großer Teil der friedlichen Klimaschutzbewegung immer wieder für diese Menschheitsaufgabe auf die Straße gehe. Zugleich wies sie darauf hin, dass die Siedlung inzwischen im Besitz von RWE ist.