Branchenverband: NRW zu langsam beim Ausbau der Windenergie

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Mit Signallampen beleuchtete Windräder drehen sich nach Sonnenuntergang in einem Windpark.
Mit Signallampen beleuchtete Windräder drehen sich nach Sonnenuntergang in einem Windpark. Foto: Jens Büttner/dpa/Symbolbild

Düsseldorf (dpa/lnw) – Nordrhein-Westfalen kommt beim Ausbau seiner Windkraft nur langsam voran. Im dritten Quartal seien 20 neue Windenergie-Anlagen in Betrieb gegangen, teilte der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) am Freitag in Düsseldorf mit. So ein Ausbautempo reiche «hinten und vorne nicht», um die Ziele der schwarz-grünen Landesregierung zu erreichen. CDU und Grüne wollen, dass in NRW binnen fünf Jahren mindestens 1000 zusätzliche Windenergieanlagen entstehen.

Aus Sicht des Erneuerbaren-Verbandes gibt es aber noch immer zu viele Bremsklötze. So sollten die bisher langwierigen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, fordert der LEE.

Der Branchenverband bezog sich bei seinen Angaben auf Zahlen von der Fachagentur Windenergie an Land. Deren Sprecher sagte, dass die Zahlen nur vorläufig seien und sich noch erhöhen könnten. In Betrieb genommene Anlagen müssen binnen vier Wochen gemeldet werden, möglicherweise steigt die Zahl von neun neuen Windrädern für den September also noch leicht.

Der Zahlen der Fachagentur zufolge gingen in den ersten neun Monaten des Jahres 67 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 275 Megawatt ans Netz. Im ganzen Jahr 2022 werden es nach Schätzung des Erneuerbaren-Verbandes zwischen 350 und 400 Megawatt sein.

Das ist zwar mehr als im Vorjahr (331 Megawatt), aber nach Ansicht des Verbandes noch viel zu wenig. Die Leistung der genehmigten Anlagen sank in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum den Angaben zufolge um 7,7 Prozent.

Der Verbandsvorsitzende Reiner Priggen wies darauf hin, dass mittlerweile 5-Megawatt-Generatoren üblich seien. Bei den für einen Zeitraum von fünf Jahren erwarteten 1000 zusätzlichen Windrädern komme man also auf eine Leistung von circa 5000 Megawatt. Das mache deutlich, dass der diesjährige Wert sehr niedrig sei. Dass der Ausbau im Jahr 2017 schon einmal bei knapp 900 Megawatt gelegen habe, sei mit Blick auf die aktuelle Lage umso ernüchternder, so Priggen.

Die Zusagen aus der Landesregierung seien zwar positiv, aber man warte auf entsprechende Erlasse und Gesetze. Hierbei bezog er sich unter anderem auf den von der schwarz-grünen Koalition angekündigten Wegfall des 1000-Meter-Mindestabstandes zwischen Windkraftanlagen und Wohnsiedlungen.

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) sagte, man arbeite unter anderem an der Ermöglichung von Flächen in Industrie- und Gewerbegebieten. «Jedes Windrad stärkt unsere Unabhängigkeit in der Energieversorgung.» Zudem sei es wichtig für den Klimaschutz. Um mehr Tempo zu machen, sei zwischen den Ressorts der Landesregierung ein Erlass zur Förderung des Erneuerbaren-Ausbaus in Abstimmung. Zudem erarbeiteten das Wirtschafts- und das Kommunalministerium eine Planungshilfe, um Kommunen beim Ausbau zu unterstützen. Es sei klar, dass jetzt endlich «der Wind in Richtung Ermöglichung weht».

Aus der Opposition kam Kritik. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, André Stinka, sah in den Zahlen «enormen Nachholbedarf» beim Windkraft-Ausbau. «Schwarz-Grün spricht zwar gerne über Erneuerbare Energien, bleibt konkretes Handeln bislang aber schuldig.» Um die Energiepreise dauerhaft und nachhaltig zu senken, müsse der Ausbau der Erneuerbaren beschleunigt werden, sagte der Sozialdemokrat. «Die Windkraft ist dabei ein entscheidender Baustein.»