Auch Völler für Füllkrug: Stürmer knipst sich Richtung WM

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Bremens Niclas Füllkrug (l) scheitert an Hoffenheims Torwart Oliver Baumann.
Bremens Niclas Füllkrug (l) scheitert an Hoffenheims Torwart Oliver Baumann. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Bremen (dpa/lni) – Jetzt spricht sich auch noch eine echte Stürmerlegende für Niclas Füllkrug aus. Rudi Völler war früher einmal Torjäger bei Werder Bremen und Teamchef der deutschen Nationalmannschaft. Er ist also durchaus berufen, sich zu den offenbar wachsenden WM-Chancen des Bremer Mittelstürmers zu äußern.

«Beste Argumente, um nominiert zu werden, sind natürlich Tore, und die macht er», sagte Völler am Samstagabend in Rom über Füllkrug. In der italienischen Hauptstadt sprach der Weltmeister von 1990 bei einer Veranstaltung im Goethe-Institut. Und aus seiner Erfahrung als Nationaltrainer von 2000 bis 2004 wisse er: Man müsse es dem Coach immer schwer machen, einen nicht zu nehmen. Genau das mache Füllkrug im Moment. «Ich glaube schon, dass er sehr gute Chancen hat, auf den Zug noch aufzuspringen», sagte Völler.

Die Diskussion, ob Bundestrainer Hansi Flick Werders Toptorjäger zum nahenden Winter-Turnier mit nach Katar nehmen sollte, nahm auch nach dem Bremer 2:1-Sieg bei 1899 Hoffenheim Fahrt auf. Denn Flick lobte Füllkrug sowohl am Samstag in einem Sky-Interview als auch einen Tag später bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die EM 2024. «Wir wollten Niclas schon 2016 zu Olympia mitnehmen. Damals war ich ja noch Sportdirektor», sagte der Bundestrainer. «Er hat jetzt acht Tore in neun Spielen gemacht und verkörpert viel von dem, was einen Zentrumsstürmer ausmacht. Er geht gut in die Bälle und macht Bälle fest. Er gibt uns etwas, was wir in der Form nicht haben.»

In Sinsheim war Füllkrug mit seinem späten Siegtor und einer Vorlage zur 1:0-Führung einmal mehr der Matchwinner – und Stadionbesucher Flick hatte von der Tribüne aus genau zugesehen. «Fülle ist gerade der beste Stürmer, den wir haben – in der Liga und auch der beste Deutsche für mich», betonte Bremens österreichischer Kapitän Marco Friedl nach dem etwas glücklichen Sieg.

Füllkrug tue gut daran, sich auch weiter auf seinen Job im Club zu konzentrieren und alles drumherum auszublenden, sagte Werder-Trainer Ole Werner. «Alles andere entscheiden andere.» Die Zahlen sprechen derzeit aber klar für den Stürmer, der einst für mehrere deutsche Nachwuchs-Auswahlteams, bislang aber noch nie für die A-Nationalmannschaft gespielt hat.

Bei acht Saisontoren steht Füllkrug schon und hat damit maßgeblichen Anteil am starken Start der Hanseaten. Der Aufsteiger ist auswärts in dieser Saison noch ungeschlagen und grüßt aus dem oberen Tabellendrittel. «Es ist klar, dass wir nicht über Wasser laufen können», betonte Coach Werner nach dem zweiten Sieg in Serie allerdings.

Sein Team müsse sich alles hart erarbeiten. «Es war nicht unser bestes Spiel, aber über 90 Minuten war die Leistung okay», kommentierte er den Auftritt gegen Hoffenheim. Manchmal seien die Bremer eben auch «auf ein Quäntchen Glück angewiesen». Und auf den nervenstarken Füllkrug.

Ganz cool verwandelte der 29-Jährige den Foulelfmeter in der 87. Minute und sicherte den Schlussphasen-Spezialisten aus Bremen damit die nächsten drei Punkte. Schon gegen Leverkusen (1:1), Bochum (2:0) und Stuttgart (2:2) hatten die Bremer spät getroffen. Beim spektakulären 3:2 in Dortmund am dritten Spieltag sogar dreimal ab der 89. Minute.

In Sinsheim überzeugte Füllkrug zudem als Vorbereiter. Mit einem schönen Doppelpass hatte er das zweite Saisontor seines kongenialen Sturmpartners Marvin Ducksch (18.) aufgelegt. Den zwischenzeitlichen Ausgleich für die TSG, die ihre erste Heimniederlage der Saison kassierte, hatte Munas Dabbur (32.) erzielt.

Wie bereits nach dem furiosen 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach eine Woche zuvor sangen einige Werder-Fans auch nach dem Sieg gegen Hoffenheim schon vom Europapokal. Das zeige, dass «die Bremer doch ab und zu mal ein bisschen Humor haben», sagte Coach Werner dazu. «Ich glaube, das ist eher so gemeint. Wir wissen alle, wo wir herkommen und wie die Rahmenbedingungen bei uns sind. Dafür macht es die Mannschaft aktuell überragend.»