Hochschulen wollen diesen Winter in Präsenz lehren

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Die Studierenden sitzen dicht nebeneinander im Hörsaal H1 der Westfälischen Wilhelms-Universität.
Die Studierenden sitzen dicht nebeneinander im Hörsaal H1 der Westfälischen Wilhelms-Universität. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Köln (dpa/lnw) – Trotz teurer Heizkosten und steigender Corona-Inzidenzen starten die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen an diesem Montag weitgehend in Präsenz in den Vorlesungsbetrieb. Darauf hatten sich die Landesregierung und die Hochschulen geeinigt. «Universität lebt vom persönlichen Austausch, dem direkten Streitgespräch, dem gemeinsamen Lernen und auch vom Miteinander außerhalb des Campus», sagte der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten, Johannes Wessels.

Der weit überwiegende Teil der Lehrveranstaltungen im Wintersemester solle in Präsenz stattfinden können, teilte das Wissenschaftsministerium mit. Gleichzeitig hätten sich die Hochschulen freiwillig verpflichtet, in diesem Winter ihren Gasverbrauch um mindestens 20 Prozent zu reduzieren. Dazu werden Heizungen runtergedreht, aus Wasserhähnen kommt nur kaltes Wasser und Bibliotheken haben kürzer geöffnet.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie habe es sich bewährt, dass die Hochschulen vor Ort flexibel auf die aktuelle Lage reagierten, sagte Bernd Kriegsmann, Präsident der Westfälischen Hochschule. Allgemein halten die 69 Lehreinrichtungen in Nordrhein-Westfalen an den bestehenden Hygienekonzepten fest.

Die Uni Köln begrüßt an diesem Montag rund 47 500 Studierende, davon seien ungefähr 4800 im ersten Semester. Der Universitätsbetrieb in der größten Stadt des Landes soll weitestgehend regulär vor Ort stattfinden, aber auch hybride Formen von Veranstaltungen werden umgesetzt. Die Begrüßungsveranstaltung beispielsweise finde in Präsenz in der Aula statt, werde aber gleichzeitig auf YouTube gestreamt.

Dozierende sollen selbst entscheiden, ob sie präsent oder online lehren. Erfahrungen mit unterschiedlichsten digitalen Lehrformaten habe die Universität schon seit Beginn der Pandemie sammeln können. «Viele der innovativen Formate haben große Vorteile auch jenseits der Pandemie», sagte Elisabeth Hoffmann, Sprecherin der Universität zu Köln.

Um auf aktuelle Entwicklungen angemessen reagieren zu können, seien die Hochschulen in NRW schon seit Beginn der Pandemie im stetigen Austausch mit der Landesregierung. «Auch wenn wir im Zuge der Energiekrise nun vor neuen, zusätzlichen Herausforderungen stehen, bin ich sehr optimistisch, dass uns dies weiterhin gelingt», sagte der Rektor der Uni Köln, Axel Freimuth.

Die Universität Duisburg-Essen startet ebenso mit einem regulären Semester vor Ort: in voller Präsenz, ohne Testverpflichtungen oder Zutrittsregelungen. «Wir sehen in der Gewährleistung von Präsenz eine besondere Aufgabe und Verantwortung. Wir wollen Studierenden ein gutes Umfeld bieten, und das ist zuerst einmal nicht der Bildschirm zu Hause auf dem Küchentisch», sagte Sprecher Arne Rensing. Auch die Universität Bielefeld möchte das Wintersemester 2022/2023 ohne einschneidende Corona-Maßnahmen starten, vorerst sei auch keine Maskenpflicht angedacht.

Vor allem in Fachrichtungen, die nicht einfach auf Online-Vorlesungen umschalten können, ist die Präsenzlehre wichtig. «Alle Hochschulangehörigen freuen sich auf den Studienstart in Präsenz, der besonders in der Sportpraxis von größter Relevanz ist», betonte Marilena Werth von der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Hochschule möchte das kommende Semester ebenfalls ohne Einschränkungen starten. Dafür werde sie kostenlose Tests zu Verfügung stellen und eine «Corona-Mail-Hotline» für Studierende und Lehrende einrichten. Dort können sich Betroffene mit allen Fragen rund um Corona melden.

In Bonn hat die Uni schon gemerkt, dass die Erstsemester bei Veranstaltungen auf dem Campus gern dabei seien. «Wie groß das Interesse an Veranstaltungen vor Ort ist, hat auch unser diesjähriger Ersti-Welcome gezeigt, bei dem über 2000 Erstsemester-Studierende ins Hauptgebäude gekommen sind», sagte Rektor Michael Hoch.