Oben-Ohne-Angebot in Schwimmbädern in Siegen kaum genutzt

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Zahlreiche Badegäste in einem Schwimmbad.
Zahlreiche Badegäste in einem Schwimmbad. Foto: Christian Knieps/Christian Knieps/Foto: Christian Knieps/Symbolbild

Siegen (dpa/lnw) – Das auch überregional viel beachtete «Oben-Ohne-Baden für alle» in Siegener Schwimmbädern seit dem Sommer ist bisher kaum genutzt worden. Von der neuen Möglichkeit, das Bikini-Oberteil daheim zu lassen, wurde «fast gar kein Gebrauch gemacht», sagte eine Stadt-Sprecherin auf dpa-Anfrage. Der Rat der Stadt hatte im Juni für die fünf städtischen Schwimmbäder beschlossen, dass alle Gäste – egal welchen Geschlechts – mit nacktem Oberkörper schwimmen dürfen.

In den beiden Freibädern sei «allenfalls einmal auf der Liegewiese mal jemand» mit entblößter weiblicher Brust gesehen» worden, berichtete die Sprecherin. Und im Wasser – sowohl in den Freibädern als auch den Hallenbädern – habe niemand die Neuregelung genutzt. Es habe offenkundig keinen – oder noch keinen – Bedarf gegeben. Hingegen sei «eine Vielzahl von Beschwerden, Beleidigungen, Drohungen per Mail, Brief, Anrufe» bei der Kommune eingegangen. «Eine Drohung wurde zur Anzeige gebracht.»

Der Antrag war von der Volt-Fraktion gekommen. Die weibliche Brust werde «seit jeher sexualisiert und entsprechend wahrgenommen», hieß es darin. Ein großer Teil der Gesellschaft wünsche eine Veränderung. Die Badeordnung legt nun fest, dass Badekleidung «lediglich die primären Geschlechtsmerkmale vollständig» bedecken muss.

Laut örtlichem Volt-Fraktionschef machten bislang «einzelne Personen» Gebrauch von der Neuregelung – wie viele genau, lasse sich nicht beziffern. Es gehe vor allem darum, einProblembewusstsein für mehr Gleichberechtigung zu schaffen. «Schaut man sich die aus diesem Antrag hervorgegangene deutschlandweite Diskussion an, haben wir dieses Ziel auf jeden Fall erreicht», sagte Samuel Wittenburg. Es sei davon auszugehen, dass «von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen selbstbestimmt entscheiden, ob sie ein Bikini-Oberteil tragen möchten oder nicht.»

Der Vorstoß habe «stark polarisiert». Viel Kritik sei aus dem «konservativen und dem religiösen Spektrum» gekommen – manchmal unsachlich oder diffamierend. Es habe aber auch zahlreiche positive Rückmeldungen gegeben.