Steigende Inzidenz: Keine strengeren Schutzmaßnahmen in NRW

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Eine biologisch-technische Assistentin hält ein Gefäß mit aufbereiteten PCR-Tests auf das Coronavirus in der Hand.
Eine biologisch-technische Assistentin hält ein Gefäß mit aufbereiteten PCR-Tests auf das Coronavirus in der Hand. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Düsseldorf (dpa/lnw) – Trotz steigender Corona-Neuinfektionszahlen und Personalausfällen in den Krankenhäusern werden die Schutzmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen vorerst nicht verschärft. Aus Sicht des Landesgesundheitsministeriums sei «die aktuelle Lage zwar angespannt, aber beherrschbar», teilte eine Sprecherin am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit. «Vor dem Hintergrund sieht das Ministerium aktuell noch keine Notwendigkeit für zusätzliche Schutzmaßnahmen.»

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rief die Länder hingegen auf, im Kampf gegen eine wachsende Corona-Infektionswelle perspektivisch zur Maskenpflicht in Innenräumen zurückzukehren. Diese Möglichkeit im Infektionsschutzgesetz sollten sie nun nutzen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im «Morgenmagazin» der ARD. «Die Welle, die sich aufbaut, die wird ja nicht alleine enden. Da muss man reagieren.» Der Bund könne die Länder allerdings nicht zwingen.

«Die Infektionszahlen und auch die anderen Indikatoren steigen derzeit wieder deutlich an», räumte das Gesundheitsministerium in Düsseldorf ein. Dies gelte auch für die Zahl der mit Covid-19 infizierten Patienten in den Kliniken. Die Personalausfälle lägen in NRW aber bei den Durchschnittswerten der Vorjahre.

«Das Infektionsgeschehen wird allerdings sehr genau beobachtet», versicherte die Sprecherin. Inwiefern die weitere Entwicklung Auswirkungen auf die künftige Corona-Schutzverordnung habe, sei noch nicht abschätzbar.

Tatsächlich liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und niedriger als in den meisten anderen Flächenländern. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den NRW-Wert am Donnerstag mit 637,6 an. Vor einer Woche hatte die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche hier allerdings noch knapp 400 betragen.

Dagegen lag der bundesweite Wert am Donnerstag mit 793,8 viel höher als in NRW. Mehrere Bundesländer haben sogar schon die 1000er-Schwelle geknackt, neben den Stadtstaaten Hamburg (302,5) und Berlin (466,4) hat unter den Flächenländern nur Schleswig-Holstein (620,1) eine niedrigere Inzidenz als NRW.

Laut Corona-Dashboard der Landesregierung wurden in NRW innerhalb von sieben Tagen zuletzt rund elf Covid-19-Fälle bezogen auf 100.000 Menschen gemeldet (Hospitalisierungsinzidenz: 11,11). Der Covid-19-Anteil an der Intensivbettenbelegung wurde am Donnerstag mit 6,93 beziffert. 4954 Patienten sind hier aktuell mit Covid-19 im Krankenhaus – davon 104 auf einer Intensivstation mit Beatmung. Landesweit sind demnach noch 304 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit verfügbar.

«Wichtig ist jetzt, dass die Menschen ihren Impfstatus überprüfen und mit den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission abgleichen», sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) der dpa. Das gelte vor allem für die besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, für die nun eine weitere Auffrischungsimpfung empfohlen werde. «Die Impfung ist der beste Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf», bekräftigte der Minister.