Caritas: Autor Hermann Schulz liest zum deutschen Kolonialismus

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Hermann Schulz liest aus seinem Buch „Therese – Das Mädchen, das mit Krokodilen spielte“. Foto: Privat
Hermann Schulz liest aus seinem Buch „Therese – Das Mädchen, das mit Krokodilen spielte“. Foto: Privat

Mettmann. Am Mittwoch, 26. Oktober, ab 19 Uhr findet der zweite Teil der Reihe im Mettmanner Haus der Begegnung, Vogelskamp 120, statt: Der Wuppertaler Autor Hermann Schulz liest aus seinem Buch „Therese – Das Mädchen, das mit Krokodilen spielte“.

„Der Missionar im Kochtopf“ – das ist ein bis heute tausendfach variierter „Bildwitz“, der stellvertretend steht für den Rassismus, den wir auch heute noch als Folge des deutschen Kolonialismus erleben müssen. Dieser rassistische Witz ist ein Beispiel dafür, wie das abwertende Bild vom „Wilden“, vom „Kannibalen“ seit dem 19. Jahrhundert weitergetragen wird.

Im Rahmen der Kampagne „vielfalt. viel wert.“ im Fachdienst für Integration und Migration beschäftigt sich der Caritasverband für den Kreis Mettmann in der dreiteiligen Veranstaltungsreihe „Der Missionar im, Kochtopf – Deutscher Kolonialismus und die Wurzeln des heutigen Rassismus“ mit dem Thema. Den Auftakt hatte im April ein Online-Vortrag gemacht.

Schulz schildert in seinem Buch die wahre Geschichte eines Mädchens, dessen aus Togo stammende Eltern „Ausstellungsobjekte“ einer der rassistischen Völkerschauen zur Kolonialzeit waren: 1900 wird ein Kind in Wuppertal geboren. Thereses Vater ist Chef einer Gruppe von Togoern, die auf Völkerschauen und Kolonialausstellungen auftreten. Um dem Säugling die strapaziösen Reisen zu ersparen, vertraut der Vater ihn Pflegeeltern an, dem Ehepaar Hufnagel, das dem Mädchen ein liebevolles Zuhause gibt. Erst spät erfährt Therese, dass die Togo-Gruppe nach Russland weitergezogen ist, wo sich im Zuge des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution ihre Spur verliert. Als sich die politische Lage in den 30er Jahre zuspitzt, verlässt Therese ihre deutsche Heimat und reist in das ihr unbekannte Togo, die Heimat ihrer Eltern.

Autor Hermann Schulz, geboren 1938 in Ostafrika, leitete viele Jahre den Peter Hammer Verlag. Reisen führten ihn in mehr als 50 Länder. Seit 1998 veröffentlicht er regelmäßig Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. WDR-Moderatorin Annette Hager führt durch den Abend und moderiert sowohl die Diskussion als auch Gespräche mit dem Autor. Die Teilnahme ist kostenfrei; um Anmeldung per E-Mail an fim@caritas-mettmann.de wird gebeten.

Seit mehreren Jahren bereits befasst sich die Kampagne des Caritasverbands mit dem Thema Rassismus, klärt auf, stärkt Betroffene und versucht, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Maßgeblich und ursächlich für den heutigen Rassismus ist der deutsche Kolonialismus, der leider erst in der jüngsten Vergangenheit Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung deutscher Geschichte findet. Vielfach etabliert ist das Bild der brutalen und ausbeuterischen Vorgehensweise der „bekannten“ Kolonialmächte wie die Niederlande, Belgien oder Großbritannien. Doch auch die Deutschen wollten – beflügelt von wirtschaftlichen Interessen – einen „Platz an der Sonne“ und taten sich in den kolonialisierten Weltregionen durch besonders menschenverachtende und drakonische Handlungsweisen hervor.

Das im 17. Jahrhundert entstehende rassistische Menschenbild prägt in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert den Umgang mit afrikanischen und asiatischen Menschen bis in die heutige Zeit. Dass die Menschen in Deutschland beginnen, sich gegen die Verharmlosung der Unmenschlichkeit des Kolonialismus und die Verherrlichung der Protagonisten dieser Zeit wehren, zeigen unter anderem die Bestrebungen, Straßennamen und Denkmäler zu entfernen, wie es vielerorts in Deutschland zurzeit geschieht.

Zum Abschluss der Reihe ist am Mittwoch, 30. November, ab 18 Uhr die Vorführung von zwei ZDF-Dokumentationsfilmen aus der Serie „Das Weltreich der Deutschen“ im Mettmanner Weltspiegel-Kino vorgesehen. Zu sehen sind die Teile „Kopfjagd in Ostafrika“ und „Sturm über Südwest“.

Die Reihe „Der Missionar im Kochtopf“ wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“.