Expertin: Muezzinruf schwieriges Signal an Hardliner

10
Ein Minarett der Zentralmoschee der DITIB ragt hinter Wohnhäusern in den Himmel.
Ein Minarett der Zentralmoschee der DITIB ragt hinter Wohnhäusern in den Himmel. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archiv

Köln (dpa) – Die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, Susanne Schröter, befürchtet, dass der öffentliche Muezzinruf an der Ditib-Moschee in Köln von «islamistischen Hardlinern» als «Punktsieg» verstanden werden könnte. «Die Befürchtung habe ich einfach», sagte die Expertin am Freitag dem WDR. «Und dann dass dieses Signal eben auch an den türkischen Präsidenten geht.» Das halte sie «wirklich für ungut». Klar sei aber auch, dass in Deutschland die Religionsfreiheit gelte und auch die Freiheit der religiösen Praxis.

An der Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib im Kölner Stadtteil Ehrenfeld soll am Freitag erstmals über Lautsprecher zum Gebet gerufen werden. Möglich wird das durch ein vorläufig auf zwei Jahre befristetes Pilotprojekt, das die Stadt Köln im vergangenen Jahr angekündigt hatte. Moscheegemeinden sollen dabei auf Antrag und unter Auflagen künftig ihre Gläubigen zum Gebet rufen dürfen. Die Stadt verwies auf die im Grundgesetz verbriefte Freiheit der Religionsausübung.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Der Berliner Islamismus-Experte Ahmad Mansour etwa bezeichnete den Muezzinruf als «Machtdemonstration des politischen Islam». Er erinnerte dabei daran, dass die Ditib der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde in Ankara sei und Präsident Recep Tayyip Erdogan die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld 2018 persönlich eröffnet habe.