Lhoist: Kalkwerk könnte zwei Millionen Tonnen CO2 einsparen

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Martin Volmer (r.), Senior Manager CO2 Transformation bei Lhoist Germany, und Philipp Speiser, Director Energy Transition Central Europe bei Air Liquide, stellen das Projekt zur Vermeidung von CO2 im größten Kalkwerk Europas in Wülfrath-Flandersbach vor. Bild: Per-Jacob Blut/snice
Martin Volmer (r.), Senior Manager CO2 Transformation bei Lhoist Germany, und Philipp Speiser, Director Energy Transition Central Europe bei Air Liquide, stellen das Projekt zur Vermeidung von CO2 im größten Kalkwerk Europas in Wülfrath-Flandersbach vor. Bild: Per-Jacob Blut/snice

Wülfrath/Berlin. Auf Einladung der SPD-Bundestagsfraktion hat Lhoist zusammen mit dem Unternehmen Air Liquide am Montag das Projekt zur Vermeidung von CO2 im größten Kalkwerk Europas bei der Fachkonferenz „Wie gelingt die Transformation der Wirtschaft?“ vorgestellt.

Martin Volmer, bei Lhoist Germany für die CO2-Transformation des Unternehmens verantwortlich, erläuterte die großen Herausforderungen der Kalkindustrie auf dem Weg zur Klimaneutralität. Philip Speiser, Director Energy Transition Central Europe bei Air Liquide, stellte die technischen Möglichkeiten, aber auch die gesetzlichen Hürden dazu vor.

Im Werk Flandersbach, dem größten Kalkwerk Europas, könnten perspektivisch bis zu zwei Millionen Tonnen CO2 eingefangen und so daran gehindert werden, in die Atmosphäre zu gelangen. Nach ersten Planungen mit einer technischen Lösung für 500.000 Tonnen CO2 kalkulieren die beiden Unternehmen nun mit einem Volumen von bis zu einer Million Tonnen CO2, die im ersten Schritt vermieden werden sollen. Das entspricht etwa dem durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von gut 120.000 Menschen in Deutschland. Die beiden Unternehmen gehen von notwendigen „Klimainvestitionen im dreistelligen Millionenbereich“, so Volmer, für die Errichtung der Anlage zur CO2-Abscheidung im industriellen Maßstab sowie die nötige Infrastruktur für den Transport des CO2 aus.

Bei der Kalkproduktion entsteht durch energieintensive Brennprozesse in großen Industrieöfen viel CO2. Daher sollen die derzeit noch verwendeten fossilen Brennstoffe wie Kohle und Gas in naher Zukunft Schritt für Schritt durch klimafreundlichere Brennstoffe ersetzt werden. Die meisten CO2-Emissionen entstehen aber nicht durch die Brennstoffe, sondern stammen aus dem Kalkstein selbst. Denn, vereinfacht ausgedrückt, ist im Kalkstein CO2 natürlich gebunden, welches beim Erhitzen freigesetzt wird. Diese nicht vermeidbaren Emissionen sollen mit dem technisch aufwändigen Verfahren der CO2-Abscheidung eingefangen und verflüssigt und danach wiederverwendet oder gespeichert werden.

Die Konferenz der SPD-Bundestagsfraktion beschäftigte sich mit der Frage, welche Herausforderungen auf dem Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft zu bewältigen sind und wie dies gelingen kann.

Nach einem Impulsvortrag der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger diskutierte das Podium, bestehend aus Professorin Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bernhard Osburg, Vorsitzender des Vorstands der thyssenkrupp Steel Europe AG, Sopna Sury, Chief Operating Officer Hydrogen, RWE Generation SE, und Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, über die Transformation der Wirtschaft und Industrie. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bernd Westphal, Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.