1000 kriminelle Jugendliche bei «Kurve kriegen»

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Duisburg (dpa/lnw) – Das nordrhein-westfälische Präventionsprogramm «Kurve kriegen» hat seit 2011 versucht, 1000 kriminalitätsgefährdete Minderjährige vor einer «Karriere» als Intensivtäter zu bewahren. 40 Prozent der Absolventen würden nach einem solchen Kurs nicht mehr straffällig, bilanzierte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch in Duisburg. «Bei den restlichen 60 Prozent halbiert sich die Anzahl der Straftaten durch die Teilnahme an der Initiative», teilte das Ministerium mit.

Eine mögliche Entwicklung zum Intensivtäter zeichne sich meist frühzeitig ab. Sechs bis zehn Prozent aller tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen seien für bis zu 50 Prozent der Delikte in dieser Altersgruppe verantwortlich. Im Durchschnitt seien Teilnehmer des Programms knapp 13 Jahre alt, wenn sie freiwillig dazustießen. Dabei versuche die Polizei gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften, Minderjährige mit risikobelasteten Lebensumständen, die bereits mehrfach durch Kriminalität aufgefallen seien, wieder auf Kurs zu bringen.

«Kurve kriegen» kostet den Angaben zufolge pro Teilnehmer etwa 11.000 Euro im Jahr. «Wir investieren ordentlich in diese Initiative und das zahlt sich aus», sagte Reul. Bis zu seinem 25. Lebensjahr seien einem Intensivtäter durchschnittlich 100 Opfer und soziale Folgekosten in Höhe von etwa 1,7 Millionen Euro zuzurechnen. «Kurve kriegen» verhindere solche «Intensivtäter-Karrieren», unterstrich Reul. «Kriminalprävention ist der beste Opferschutz.»

Das Programm ist nach Angaben des Ministeriums bundesweit einmalig und mittlerweile in 40 von 47 Kreispolizeibehörden Nordrhein-Westfalens etabliert. Die Erfolgsgeschichte von «Kurve kriegen» habe sowohl in anderen Bundesländern als auch international großes Interesse geweckt. In Schweden sei geplant, das Programm ab März 2023 unter dem Namen «Back on track» umzusetzen.