Gelsenkirchen will Schrotthäuser abreißen: Geld vom Land

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Eurobanknoten liegen auf einem Tisch.
Eurobanknoten liegen auf einem Tisch. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Gelsenkirchen (dpa/lnw) – Die unter Leerstand leidende Industriestadt Gelsenkirchen plant ein Großprojekt zum Stadtumbau: Mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen will sie innerhalb von zehn Jahren 3000 Wohneinheiten aufkaufen und abreißen oder – wenn möglich – sanieren. Das Land hilft mit einer Zukunftspartnerschaft und zunächst zehn Millionen Euro, wie NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Donnerstag bei einer Vertragsunterzeichnung für das «Gelsenkirchen-Projekt» sagte.

Außerdem wird die Stadt Gelsenkirchen erste Empfängerin von Leistungen aus einem neuen Landesprogramm «Prima. Klima. Ruhrmetropole», das ebenfalls mit insgesamt zehn Millionen Euro dotiert ist und sich an bis zu 15 Ruhrgebietskommunen richtet. Gelsenkirchen werde zur «Leadkommune» dieses Programms, wenn später andere Städte der Region dazukämen, würden sie ihre Ideen für mehr Klimaschutz beim Stadtumbau austauschen, sagte Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge (SPD).

Im Rahmen der Städtebauförderung werde auch der Bund alles tun, um Gelsenkirchen zu unterstützen, versicherte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD), die bei der Vertragsunterzeichnung dabei war.

Die einstige Bergbaustadt Gelsenkirchen ist vom Strukturwandel besonders hart getroffen worden. In den 30 Jahren von 1990 bis 2020 hat die Stadt rund 35.000 Einwohner verloren – etwa zwölf Prozent. Leerstand und mangelnde Investitionen in Wohnungen und Häuser beeinträchtigten das Image und die Wohnqualität über weite Teile des Stadtgebietes, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Stadt und Land.

Rund 500 Schrottimmobilien hat die Stadt ausgemacht, die vielfach zu Nachbarschaftskonflikten führten und dafür sorgten, dass auch im Umfeld Investitionen ausblieben. Das Aufkaufen zu marktgerechten Preisen sei nicht immer leicht, sagte die Leiterin des Gelsenkirchener Stadtplanungsreferates, Stefanie Hugot. Die Stadt nutze dabei auch kommunale Vorverkaufsrechte für Problemimmobilien.

So sei in einem Fall für ein Haus zunächst ein Preis von einer Million Euro genannt worden. Nach intensiver Prüfung des Falls habe sich der Preis dann auf 150.000 Euro reduziert. Nicht immer sei nach einem Abriss ein Neubau die Lösung. Aus Klimagründen werde immer auch überlegt, Freiflächen stehen zu lassen – unter anderem, um Hitze aus der Stadt herauszunehmen und Raum für Niederschläge einzuräumen, sagte Hugot.