Steinmeier zu Antisemitismus: «Das schmerzt mich zutiefst»

14
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht. Foto: Julia Nikhinson/AP/dpa/Archivbild

Hannover (dpa) – Nach den Schüssen auf die Tür des Rabbinerhauses in Essen hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur «Wachsamkeit» aufgerufen. In Deutschland zeige sich «Antisemitismus wieder viel unverhohlener und offener», sagte Steinmeier am Montag in Hannover. Jüdinnen und Juden würden diffamiert, verhöhnt, tätlich angegriffen. Das Staatsoberhaupt erinnerte an den Angriff eines rechtsextremen Attentäters in Halle vor drei Jahren. «Wie sehr wünschte ich sagen zu können, dass dieser Anschlag in Halle zu einer wirklichen Wende geführt hätte. Aber ich kann es nicht sagen: Die Zahl antisemitischer Straftaten steigt in Deutschland», sagte Steinmeier.

In der Nacht zu Freitag war in Essen auf das frühere Rabbinerhaus an der Alten Synagoge in der Innenstadt geschossen worden. In seiner Ansprache in der Synagoge der niedersächsischen Landeshauptstadt nahm der Bundespräsident Bezug auf die Tat eines Unbekannten. «Mich hat diese Nachricht erschüttert», sagte er. «Und auch in Berlin wurde am Wochenende eine Synagoge beschädigt. Das alles schmerzt mich zutiefst.» Er sei überzeugt, dass es darauf nur eine Antwort geben könne: «Wir müssen erstens wachsam sein. Und wir dürfen nicht wegschauen! Wir dürfen in Deutschland keinerlei Antisemitismus dulden!

Steinmeier war zu Gast bei der Ordination von fünf Rabbinern und einem Vorbeter. Laut Bundespräsidialamt handelt es sich um die erste orthodoxe Rabbinerordination in Niedersachsen nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Rabbinerseminar zu Berlin führt alle zwei Jahre Rabbiner nach Abschluss ihres Studiums feierlich in ihr Amt ein.