Auf dem Gelände der Feuerwehr in Castrop-Rauxel werden bei einer Durchsuchung gefundene Stoffe untersucht.
Auf dem Gelände der Feuerwehr in Castrop-Rauxel werden bei einer Durchsuchung gefundene Stoffe untersucht. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Seeon (dpa) – Der Terrorismusexperte Peter Neumann sieht den offenbar im Ruhrgebiet geplanten und von der Polizei verhinderten Anschlag als Beleg dafür, dass die islamistische Bedrohung in Deutschland nach wie vor besteht. «Diese Bedrohung ist geringer als vor sechs oder sieben Jahren, aber sie existiert nach wie vor. Das darf man nicht vergessen», sagte der Professor am King’s College in London am Sonntag bei der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im bayerischen Kloster Seeon.

Man sehe an diesem Fall, «dass die terroristische Bedrohung allgegenwärtig ist», sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Es müssten immer wieder alle Maßnahmen ergriffen werden, um dagegen anzukämpfen.

Anti-Terror-Ermittler hatten zuvor in Castrop-Rauxel im nördlichen Ruhrgebiet einen 32-Jährigen festgenommen, der einen islamistischen Anschlag vorbereitet haben soll. Der iranische Staatsangehörige sei verdächtig, sich für die Tat die Giftstoffe Cyanid und Rizin besorgt zu haben, teilten Generalstaatsanwaltschaft und Polizei mit.

Neumann sagte, man müsse damit aufhören, verschiedene extremistische Bedrohungen gegeneinander auszuspielen. «Ein großer, erwachsener und reicher Staat wie die Bundesrepublik Deutschland sollte in der Lage sein, mehrere extremistische Bedrohungen gleichzeitig zu bekämpfen. Und das bedeutet, dass man natürlich auf keinem Auge blind sein sollte.»

Der Sicherheitsexperte wies darauf hin, dass bei fast jedem aufgedeckten Terrorplan der vergangenen Jahre der entscheidende Hinweis von US-Geheimdiensten gekommen sei. Deutschland sei auch bei der Terrorismusbekämpfung im Inneren nach wie vor sehr abhängig von Amerikas Geheimdiensten. «Eigentlich sollte das die Konsequenz haben, dass man hier in Deutschland selbst versucht, solche Fähigkeiten aufzubauen, um diese Abhängigkeit zu verringern.»