"Lützerath muss Leben" steht auf einem Plakat, während Luisa Neubauer, Klimaaktivistin spricht. Foto: Annette Riedl/dpa/Archivbild

Erkelenz (dpa) – Wenige Tage vor einer möglichen Räumung des Dorfes Lützerath zur Kohlegewinnung wollen Klimaaktivisten am Sonntag (10.00 Uhr) über ihre geplanten Protestaktionen informieren. Vorstellen will sich das Bündnis «Lützerath unräumbar», zu dem sich Organisationen und Initiativen wie Ende Gelände, Fridays for Future, Alle Dörfer bleiben und Letzte Generation zusammengeschlossen haben.

Geplant sei auch ein «öffentliches Aktionstraining für die geplanten Aktionen zivilen Ungehorsams», hieß es. Danach soll es einen sogenannten Dorfspaziergang geben. Die Kölner Band AnnenMayKantereit will ein Konzert (14.30 Uhr) in dem besetzten Ort spielen. «Lützerath muss bleiben. Deswegen machen wir dort am Sonntag Musik» schrieb Sänger Henning May bei Instagram.

Zu dem «Dorfspaziergang» – Lützerath besteht aus nur noch wenigen ehemaligen Gehöften und Häusern – wird auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer erwartet. Sie rief Unterstützer dazu auf, ebenfalls zu kommen. «In Lützerath ist die Grenze des Weiter-so erreicht», sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur. «Die Politik traut sich noch nicht, das anzuerkennen, aber die Zivilgesellschaft schon.» Die Kohle müsse im Boden bleiben. «Seit Jahren erleben wir die Klimafolgen, im Sommer 2022 wüteten in ganz Europa die gravierendsten Waldbrände, die Zerstörung muss aufhören, die bisher durch die deutsche Politik und Wirtschaft befeuert wird.»

Am Samstag waren erneut zahlreiche Aktivisten nach Lützerath angereist. Shuttlebusse brachten sie von nahegelegenen Bahnhöfen in das unwegsame Gelände. In einem Camp auf einem Feld im benachbarten Stadtteil Keyenberg wurden mehrere neue Zelte aufgebaut.

In den sozialen Netzwerken riefen Initiativen unter anderem mit dem Hashtag #LuetzerathUnraeumbar dazu auf, sich am Widerstand gegen die Räumung zu beteiligen. Auf den Straßen von Lützerath wurden weitere Barrikaden errichtet, unter anderem betonierten Aktivisten Gasflaschen in die Fahrbahnen ein, um diese unpassierbar zu machen.

Der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid sagte der dpa, in Lützerath entscheide sich, ob es die Ampel-Regierung mit dem Klimaschutz ernst meine. «Die Kohle unter Lützerath zu verfeuern, bedeutet den Bruch mit den Pariser Klimazielen. Wir brauchen die Kohle unter dem Dorf nicht mehr und können es uns schlichtweg nicht leisten, diesen klimaschädlichsten aller Energieträger weiter zu verbrennen.» Das Profitinteresse von RWE dürfe keinen Vorrang vor dem Allgemeinwohl, dem Schutz des Planeten und dem Erhalt der Lebensgrundlagen haben.

Der Energiekonzern RWE will das rheinische Lützerath abreißen, um die darunterliegende Kohle abzubauen. Dies sei nötig, um die Energieversorgung sicherzustellen, sagt der Konzern. Der Tagebau ist bereits nah an die verbliebenen Gebäude herangerückt. Aktivisten, die in dem verlassenen Weiler leben, haben Widerstand angekündigt, doch die schwarz-grüne NRW-Landesregierung will das Dorf von der Polizei räumen lassen – möglicherweise schon in wenigen Tagen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Die Landesregierung verweist darauf, dass im Gegenzug der Kohleausstieg um acht Jahre auf 2030 vorgezogen worden sei.