Die „Mitmach-Maschine“ im LVR-Industriemuseum in der Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen können kleine Museumsgäste mit allen Sinnen erkunden. Foto: LVR-Industriemuseum
Die „Mitmach-Maschine“ im LVR-Industriemuseum in der Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen können kleine Museumsgäste mit allen Sinnen erkunden. Foto: LVR-Industriemuseum

Köln. Nach Angaben des Kommunalverbandes haben rund 1,1 Millionen Gäste im vergangenen Jahr die LVR-Museen im Rheinland besucht. Damit sei das Niveau aus Vor-Corona-Zeiten (rund 1,2 Mio) fast wieder erreicht.

Und das, obwohl geplante Großveranstaltungen und Sonderausstellungen aufgrund der notwendigen Vorplanungen nicht immer angeboten werden konnten – eine Spätfolge von Corona. Besonders beliebt waren bei den Kulturinteressierten die LVR-Freilichtmuseen in Kommern, Lindlar und Xanten, die durch die vielfältigen Outdoor-Angebote dem Bedürfnis nach sicherem Kulturerleben sehr entgegen kamen.

„2022 war ein schwieriges Jahr: Neben Corona haben vor allem die Klima- und Energiekrise und der Krieg in der Ukraine verunsichert,“ so LVR-Dezernentin Corinna Franz, LVR-Dezernentin Kultur und Landschaftliche Kulturpflege. „Umso mehr freuen uns die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Menschen auf das vielfältige Kulturangebot des LVR: Unsere Museen bieten nicht nur eine Auszeit vom Alltag, sondern geben auch Orientierung für die Herausforderungen unserer Zeit. Ich freue mich daher sehr, dass wir auch in das LVR-Kulturjahr 2023 mit vielen attraktiven Angeboten starten können.“

Es beginnt am 15. Januar mit der Ausstellung „Image. Max Ernst im Foto“ im Max-Ernst-Museum Brühl des LVR. Die Präsentation zeigt private Schnappschüsse, klassische Porträtaufnahmen und inszenierte Arrangements mit befreundeten Kunstschaffenden. Die Ausstellung, die bis zum 23. April 2023 zu sehen ist, präsentiert die umfangreichen Sammlungsbestände des Museums mit Fotografien von Berenice Abbott, Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck, Lee Miller oder Man Ray.

Das Kunstwerk „Lust, 2019, Digitale Collage, Courtesy of the artist." von David Alabo ist ab August Teil der Ausstellung „Surreal futures“ des Max Ernst Museums Brühl des LVR. Die Ausstellung versammelt rund 30 multimediale Werke zu drängenden Themen wie Klimakrise, Digitalisierung und Diskriminierung. Foto: David Alabo
Das Kunstwerk „Lust, 2019, Digitale Collage, Courtesy of the artist.“ von David Alabo ist ab August Teil der Ausstellung „Surreal futures“ des Max Ernst Museums Brühl des LVR. Die Ausstellung versammelt rund 30 multimediale Werke zu drängenden Themen wie Klimakrise, Digitalisierung und Diskriminierung. Foto: David Alabo

„Surreal futures“ erwartet die Gäste dann im Brühler LVR-Museum ab dem 27. August. Klimakrise und Auswirkungen der Digitalisierung, Diversität und Umgang mit kolonialen Strukturen: Zu den drängenden Fragen unserer Zeit versammelt die Ausstellung rund 30 Werke aus den Bereichen digitale Kunst und Medienkunst. Interaktive Videoarbeiten, Virtual Reality-Werke, Installationen und Performances aus 17 Ländern zeigen die lebendige Aktualität des Surrealismus (bis 28. Januar 2024).

Die „Mitmach-Maschine“ steht ab dem 25. Januar bis 6. August 2023 im LVR-Industriemuseum in der Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen. Es rappelt und rattert, eine Pauke wird geschlagen und Figuren tanzen. Ein Kind legt sich mächtig in die Pedale und bringt das große, bunte Ding in Bewegung. Die „Mitmach-Maschine“ ist eine große begehbare Spiel-, Kunst- und Technikmaschine, die nichts herstellt, aber vieles bietet: was fürs Auge, fürs Ohr, zum Tasten, für die Lust an der Bewegung und für den Verstand. Hier erfinden Kinder eigene Objekte, die sie an der „Mitmach-Maschine“ befestigen und in Bewegung bringen.

Ab dem 12. Februar entwickelt die „Herdanziehungskraft“ im LVR-Freilichtmuseum Kommern ihre volle Wirkung. Die Wanderausstellung mit dem Untertitel „Küche und Kochen“ gibt mit zahlreichen Fotografien, Hörstationen, Kochgeräten und Rezeptbüchern Einblick in die Geschichte der Küche und ihrer Funktion. Als Arbeitsraum, Aufenthaltsort und Treffpunkt für Familie und Freunde zugleich ist sie wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens. Bis 11. Februar 2024 sind von der „Flotten Lotte“ über „Kneipchen“ (kleines Küchenmesser) bis hin zu „Sparherd“ und „Schneidboy“ viele historische und moderne Kochgeräte und ihre Geschichten zu entdecken.

2023 geht es im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen auf „Modische Raubzüge“. Im Mittelpunkt stehen Luxus, Lust und Leid in der Mode: Geschmeidige Felle, exotische Federn, schillernde Perlen – seit jeher sind Menschen fasziniert von der Schönheit der Tierwelt. Je seltener ein Pelz oder eine Muschel, umso mehr wurden sie begehrt, um sich selbst damit zu schmücken. Seit der Eroberung außereuropäischer Kontinente wurden Tiere in aller Welt gejagt, getötet, ausgerottet, um sie für die Mode zu nutzen. Trotz aller Proteste, trotz Tier- und Artenschutz: Tierische Materialien prägen noch immer aktuelle modische Trends (bis 7. Januar 2024).

Ab dem 23. März lädt das LVR-Landesmuseum Bonn zu einer Forschungsreise ins frühe Mittelalter ein. In einem Grab am Niederrhein entdeckten Archäologinnen und Archäologen vor einigen Jahren die Überreste einer aufwendigen Lamellenrüstung. Außerdem stieß man auf einen goldenen Siegelring mit Porträt und Namen seines Besitzers: BODI. Wer war BODI, der um 600 n. Chr. lebte und zur Kriegerelite gehörte? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „Das Leben des BODI“ bis zum 15. Oktober. Sie präsentiert die sensationellen Grabfunde aus Wesel-Bislich und eröffnet mit einzigartigen Leihgaben aus ganz Europa Einblicke in das Leben eines fränkischen Kriegers.

Anfassen und mitmachen ist bei der Ausstellung „Probiert? Kapiert!“ ab dem 31. März (bis 22. Oktober) im LVR-Industriemuseum Kraftwerk Ermen & Engels in Engelskirchen ausdrücklich erwünscht. In den ehemaligen Fabriken des LVR-Industriemuseums gab es damals im Arbeitsalltag viele technische Herausforderungen zu lösen: Wie können schwere Materialien transportiert, wie große Maschinen für die Produktion angetrieben werden? Welche Möglichkeiten zur platzsparenden Verpackung gibt es und wie funktioniert erfolgreiche Zusammenarbeit? Bei „Probiert? Kapiert!“ finden große und kleine Museumsgäste an Mitmach-Stationen kreativ eigene Lösungen. Am Ende des Ausstellungsbesuchs steht der gemeinsame Bau einer großen Kettenreaktion.

Tierkindertag in Lindlar

Beim Tierkindertag im LVR-Freilichtmuseum Lindlar kommen vor allem die kleinen Gäste auf ihre Kosten. Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung/Markus Nemitz
Beim Tierkindertag im LVR-Freilichtmuseum Lindlar kommen vor allem die kleinen Gäste auf ihre Kosten. Foto: LVR-Zentrum für Medien und Bildung/Markus Nemitz

Sportlich wird es in diesem Jahr im LVR-Niederrheinmuseum Wesel. Die Sonderausstellung „Kleine Tore, große Sprünge. Der Handballsport in Rheinland und Westfalen“ gibt einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart dieser Sportart. Sie setzt sich erstmals für NRW mit der Geschichte, Gegenwart und Zukunft des populären Handballsports von der Gründung 1917 bis heute auseinander. Sie verknüpft das Interesse am Sport im Allgemeinen und dem Handballsport im Besonderen mit dem Interesse an der eigenen Lokal-, Regional- und Landesgeschichte (bis 28. April 2024).

„Formvollendet? Bakelit verändert den Alltag“ ist die Sonderausstellung überschrieben, die noch bis zum 31. Oktober im LVR-Freilichtmuseum Kommern zu sehen ist. Anfangs diente der braune Kunststoff – auch als Phenolharz bekannt – vorrangig für die Fertigung von technischen Teilen wie Schalter und Isolationselementen. Heute sind Phenolharzprodukte vor allem aufgrund ihrer zeitlosen Gestaltung in der Erinnerung vieler Menschen erhalten. Das stromlinienförmige Design steht für einen formvollendeten Look.

Neben Sonderausstellungen bieten alle Häuser ganzjährig besondere Veranstaltungen wie beispielsweise die Archäologietour Bergisches Land am 19. März, den Tierkindertag im LVR-Freilichtmuseum Lindlar am 14. Mai, den Jahrmarkt Anno Dazumal im LVR-Freilichtmuseum Kommern vom 4. bis 16. April, den Rheinischen Wollmarkt im LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller in Euskirchen am 4. Juni, den UNESCO-Welterbe-Tag am 4. Juni im LVR-Archäologischen Park Xanten, den Tag der Offenen Tür am 18. Juni im Stiftshof im LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Außenstelle Nideggen, den Papiermarkt im LVR-Industriemuseum Papiermuseum Alte Dombach in Bergisch Gladbach am 3. September, das 17. Transport- und Oldtimerfest im LVR-Industriemuseum Kraftwerk Ermen & Engels am 1. Oktober oder das St. Antony-Fest im LVR-Industriemuseum St. Antony-Hütte am 8. Oktober in Oberhausen. Zum Jahresabschluss warten der MesserGabelScherenMarkt am 4. und 5. November im LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen sowie der „Advent für alle Sinne“ im LVR-Freilichtmuseum Kommern am 2. und 3. Dezember.

Diese und weitere Tipps und Termine gibt es auch im neuen Rheinland Reiseland. Das Magazin ist per Mail unter rheinlandreiseland@lvr.de kostenfrei erhältlich oder unter der Telefonnummer 0221 809-7945 (Bestellung per E-Mail bevorzugt).