Kölns Faride Alidou (M) und Freiburgs Lukas Kübler (l) und Yannik Keitel versuchen an den Ball zu kommen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Köln (dpa) – Über 90 Minuten lang hatten die Kölner Fans im Dauerregen gesungen, geschrien und ihr Team frenetisch angefeuert. Doch als der Abpfiff ertönte, war es auf den Rängen gespenstisch still – der 1. FC Köln steht nach dem 0:0 gegen den FC Freiburg am Samstagabend unmittelbar vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Schon am Sonntag könnte es für den dreimaligen deutschen Meister so weit sein.

Trainer Timo Schultz versammelte seine Spieler noch auf dem Rasen für eine Ansprache, er blickte in enttäuschte Gesichter. Nach den bisherigen Abstiegen kam der FC viermal direkt im ersten und zweimal im zweiten Jahr zurück. Doch die Transfersperre der FIFA, die es den Kölnern im Sommer verbietet, Spieler zu verpflichten, macht die Mission wohl so schwer wie nie.

«Die Mannschaft hat Vollgas gegeben, wir haben alles versucht. Das Tor hat am Ende gefehlt. (…) Wir hätten gerne die drei wichtigen Punkte geholt», sagte Faride Alidou beim TV-Sender Sky. «Wir werden bis zur letzten Minute daran glauben (an den Klassenerhalt). Wir müssen darauf hoffen, dass die anderen ein bisschen patzen.»

Bei Freiburg hat Trainer Christian Streich in seinem 389. und drittletzten Spiel als SC-Coach die Wahrscheinlichkeit gesteigert, sich mit der dritten Europacup-Qualifikation in Folge zu verabschieden. Rang acht reicht in diesem Jahr wahrscheinlich, Freiburg ist aktuell Siebter, das Restprogramm mit Spielen gegen Heidenheim und bei Union erscheint lösbar. «Wir sind noch voll dabei», sagte Christian Günter.

Allerdings verpassten die Breisgauer gegen Streichs Lieblingsgegner – gegen keinen gewann er öfter – den vierten Auswärtssieg in Folge und damit einen Vereinsrekord. Dafür nimmt Streich eine kuriose Statistik mit: in seiner gesamten Trainer-Karriere blieb er in Top-Spielen am Samstagabend ungeschlagen, acht davon bestritt der 58-Jährige mit dem SC.

Die Offensive ist seit Saisonstart Kölns Schwäche. Und in diesem wichtigen Spiel begann Schultz sogar ganz ohne gelernten Stürmer. Davie Selke und Mark Uth fehlten verletzt, Steffen Tigges und Sargis Adamyan saßen auf der Bank. Wie bis zur 68. Minute erneut auch Kapitän Florian Kainz. Kein Stürmer, aber ebenfalls eine Offensivkraft. Im Offensivzentrum begann in Alidou ein klassischer Flügelspieler. Doch der agierte höchst unglücklich. Bezeichnende Szene: Nach einem Schuss aus rund 20 Metern und zentral guter Position hätte es beinahe Einwurf gegeben (35.).

Dennoch begannen die Kölner im Gegensatz zu den vergangenen beiden Partien zumindest mit beherztem Spiel nach vorn. Linton Maina hatte schon in der 3. Minute eine gute Chance zur Führung, verzog aber aus zehn Metern knapp. Nach 17 Minuten fälschte Eric Martel einen Schuss von Jan Thielmann mit der Hacke gefährlich ab, doch Noah Atubolu im Freiburger Tor ließ sich nicht überlisten.

Die Freiburger tauchten zunächst gar nicht vor dem Kölner Tor auf, doch als sie es taten, war das 0:1 nahe: Vincenzo Grifo köpfte in seinem 200. Bundesliga-Spiel für die Breisgauer aus fünf Metern nur haarscharf vorbei (20.). Bis zur Pause wurde es nun ein zähes Ringen ohne große Aufreger vor beiden Toren. Die Kölner Zuschauer merkten, dass die Spieler das Nachdenken begannen und feuerten ihr Team mit extrem lauten Gesängen an.

Vielleicht auch davon angetrieben verstärkten die Kölner bei immer stärker werdendem Dauerregen nach der Pause die Vehemenz ihres Anrennens. Doch wie so oft fehlten die Mittel. Eroberte Bälle gingen schnell wieder verloren, es war zu wenig Struktur und Kreativität in den Kölner Angriffsbemühungen. Und nach knapp einer Stunde musste auch noch Abwehrchef Jeff Chabot, wie fast immer in den letzten Wochen der beste Kölner, angeschlagen vom Feld. Alidou hatte in der 71. Minute dennoch die ganz große Chance, doch Atubolu hielt stark mit einem Arm.