Dortmunds Niclas Füllkrug (r) feiert mit seinen Mannschaftskollegen seinen Treffer zum 1:0. Foto: Bernd Thissen/dpa

Dortmund (dpa) – Nach dem neuerlichen Coup in der Champions League glich die Dortmunder Fußball-Kathedrale wieder einem Tollhaus. Tanzend und singend feierten die Fans und BVB-Profis im eigenen Stadion den 1:0 (1:0)-Erfolg über das Starensemble von Paris Saint-Germain um Kylian Mbappé. Nach dem verdienten Sieg im Halbfinal-Hinspiel lebt Borussia Dortmunds Traum von einer Rückkehr nach Wembley weiter.

«Wir haben ein top Spiel hingelegt. Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, bei der jeder dem anderen geholfen hat», sagte Abwehrchef Mats Hummels bei DAZN und sprach von einem «sehr erwachsenen, sehr reifen Spiel» des BVB. Mit Blick auf das Rückspiel am kommenden Dienstag in Paris warnte Hummels jedoch: «Das wird nochmal ein bretthartes Ding.»

Dank des Treffers von Niclas Füllkrug (36. Minute) vor 81 365 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park geht die Borussia mit guten Chancen in das zweite Spiel. Elf Jahre nach der Final-Niederlage (1:2) gegen den FC Bayern, der nach dem 2:2 gegen Real Madrid im zweiten Halbfinale ebenfalls noch im Rennen ist, könnte es eine Neuauflage des deutschen Showdowns in der englischen Hauptstadt geben.

Dank des Sieges hat Dortmund der Bundesliga zudem einen fünften Startplatz in der kommenden Champions-League-Saison beschert. Im maßgebenden UEFA-Ranking kann Deutschland nun nicht mehr vom zweiten Platz verdrängt werden. Den zusätzlichen Königsklassen-Platz bekommt der Fünfte der Bundesliga – aktuell also die Dortmunder, die nicht mehr auf Platz sechs zurückfallen können. «Da haben wir unsere miese Bundesligasaison durch eine sehr gute Champions-League-Saison kaschiert», sagte Hummels.

Schon weit vor dem Anpfiff hatten die BVB-Fans im Stadion und auch in der Stadt Dortmund eine besondere Atmosphäre verbreitet, die eines Champions-League-Halbfinals mehr als würdig war. «Ich habe mir heute Morgen gesagt, du musst das jetzt einfach genießen», sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Spiel bei DAZN: «Aber ganz ehrlich, das klappt nicht so wirklich. Diese Anspannung, die spürst du einfach. Es ist schon ein besonderes Spiel.»

BVB-Trainer Terzic konnte die gleiche Startelf wie im triumphalen Viertelfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid aufbieten. Die Langzeitverletzten Donyell Malen und Sébastien Haller saßen immerhin wieder auf der Bank. Wichtig war, dass sich der zuvor formstarke Marcel Sabitzer nach einer Erkrankung rechtzeitig fit meldete. Der Österreicher hatte nach einer Viertelstunde die erste gute Chance für Dortmund, scheiterte aber an PSG-Torhüter Gianluigi Donnarumma.

Danach übernahm das Pariser Starensemble die Spielkontrolle. Dortmund verteidigte aber geschickt und im Kollektiv, selbst Linksaußen Karim Adeyemi arbeitet oft gegen Achraf Hakimi bis an die eigene Grundlinie mit zurück. Dortmund setzte zudem auf Konter – und schlug damit eiskalt zu.

Als der Gegner weit aufgerückt war, schlug Nico Schlotterbeck einen langen Pass in den Lauf von Füllkrug, der sich den Ball mit dem rechten Fuß selbst vorlegte und ihn mit dem linken aus etwa 15 Metern flach ins Tor schoss. Nur acht Minuten später hatte Sabitzer gar das 2:0 auf dem Fuß, doch der Mittelfeldspieler fand erneut in Donnarumma seinen Meister.

Und PSG? Der frisch gekürte französische Meister ließ den Ball in den eigenen Reihen gefällig laufen, ohne dabei wirklich zwingend zu sein. Auch Mbappé, der die Ansprache im Spielerkreis unmittelbar vor dem Anpfiff übernommen hatte, kam lange Zeit nicht in die gefährlichen Räume. Noch vor der Halbzeit musste zudem Lucas Hernandez angeschlagen vom Platz, für den Ex-Münchner kam Lucas Beraldo.

Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste aus Frankreich wenig überraschend den Druck. Dortmund hatte bei zwei Pfostentreffern innerhalb weniger Sekunden durch Mbappé und Hakimi Glück, in der 52. Minute nicht den Ausgleich zu kassieren. Dortmund sorgte aber auch für gelegentliche Entlastungsangriffe, so hätte Füllkrug nach starker Vorarbeit von Jadon Sancho eigentlich seinen zweiten Treffer erzielen müssen (60.). In den Schlussminuten konzentrierte sich Dortmund zwar fast ausschließlich aufs Verteidigen, Julian Brandt hatte aber noch die große Chance zum 2:0 (83.).