Thomas Weikert ist Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).
Thomas Weikert ist Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Foto: Marius Becker/dpa

Düsseldorf (dpa) – Mit einem großen Aufgebot und bescheidener Zielvorgabe macht sich die deutsche Olympiamannschaft auf zu den in drei Wochen beginnenden Sommerspielen in Paris. Insgesamt 463 Athletinnen und Athleten wurden für den Saisonhöhepunkt nominiert – unter ihnen sind 47 als sogenannte Ersatzsportler auf der Liste. Damit ist das deutsche Team in der französischen Hauptstadt eines der größten. 


Für die Spiele, die vom 26. Juli bis zum 11. August zum dritten Mal in der Geschichte in Paris stattfinden, wird der Deutsche Olympische Sportbund DOSB noch einige Sportler zusätzlich ins Team berufen. «Wir haben noch eine überschaubare Zahl, die dazukommt», erklärte Chef de Mission Olaf Tabor bei der Einkleidung der Teilnehmer und der vorerst letzten Nominierungsrunde in der Düsseldorfer Messe.

In einigen Mannschaftssportarten, etwa im Handball der Frauen und Männer, hat der DOSB zunächst einen Pool nominiert. Namentlich werden die Sportlerinnen und Sportler in den kommenden Tagen verkündet. Auch die Reiter geben erst in der kommenden Woche bekannt, wer die Olympia-Tickets erhält.

Von 16 bis 43 Jahren

Die jüngste Athletin ist die Kunstturnerin Helen Kevric mit 16 Jahren, der älteste ist Tischtennisspieler Timo Boll mit 43 Jahren. Richtige Härtefälle habe es bei der Nominierung nicht gegeben, erklärte Tabor. «Es gab wenig Diskussionsfälle, die sind alle geklärt worden. Da sind wir auf einem guten Weg», sagte der 53-Jährige.

Die Zielvorgabe ist eher bescheiden. Die Zahl von 37 gewonnen Medaillen bei den vergangenen Sommerspielen in Tokio war der Negativwert einer gesamtdeutschen Mannschaft, die seit 1992 wieder an den Start geht. Im Medaillenspiegel belegte das Team Rang neun – auf dem Level sieht DOSB-Präsident Thomas Weikert auch das aktuelle Aufgebot. «Ich hoffe, dass wir in dieser Reihe wieder reinkommen», sagte er und erwartet sich einen Rang in den Top Ten des Medaillenspiegels.

Er nimmt Mannschaftssportarten wie Basketball und Hockey in den Fokus. «Sehr gute Chancen haben wir auch im Reiten, in Bereichen der Leichtathletik und mal sehen, wie die Schwimmer abschneiden», sagte der 62-Jährige. Der Bestwert nach der Wiedervereinigung datiert aus dem Jahre 1992 in Barcelona mit 82 gewonnen Medaillen und dem dritten Rang im Medaillenspiegel. Insgesamt werden in Paris rund 10 500 Teilnehmer dabei sein. Erstmals soll dabei die Zahl der weiblichen Starter ebenso hoch sein wie die der männlichen.

Über Politik «nicht den Kopf zerbrechen»

Der seit Dezember 2021 amtierende DOSB-Chef blickt den dritten Sommerspielen in Paris aber auch zwiespältig entgegen. «Ich weiß nicht, ob es die besten Spiele werden», sagte er. «Aber der Funke soll rüberspringen», sagte Weikert. «Die Rahmenbedingungen sind durchaus schwierig. Ich hoffe, es bleibt sicher und friedlich.»

Die Spiele in der französischen Hauptstadt stehen auch wegen der ungewissen politischen Zukunft nach den vorgezogenen Parlamentswahlen unter kritischer Beobachtung. Der Ausgang der Stichwahl am Sonntag ist ungewiss, viele Kandidaten haben sich vor der Entscheidung zurückgezogen, um eine Machtübernahme der Rechtspopulisten zu verhindern. «Ich hoffe, dass es keine Zwischenfälle gibt. Aber ich habe großes Vertrauen ins IOC, dass die Spiele gut abgewickelt werden», sagte Weikert.

Viele Sportler sehen dem gelassen entgegen. «Wir machen uns wenig Gedanken darüber. Ich glaube, dass die Franzosen das im Griff haben. Wir könnten es ohnehin nicht beeinflussen, warum sollen wir uns jetzt den Kopf darüber zerbrechen», erklärte Mats Grambusch, Kapitän der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, die als amtierender Weltmeister auch zu den Medaillenkandidaten zählt.