Mann lächelt vor Server-Racks
David Oudsandji, Gründer und Geschäftsführer von Voltfang, aufgenommen in der Produktionshalle. Foto: Marius Becker/dpa

Aachen (dpa/lnw) – Nach der Insolvenz des Aachener Elektroauto-Herstellers Next.e.GO (Kurzform: e.Go) will ein anderes Unternehmen aus der Region dessen Grundstück übernehmen und mieten. «Wir könnten die 30 000 Quadratmeter großen Produktions- und Lagerhallen von e.Go gut gebrauchen, an unserem jetzigen Standort platzen wir aus allen Nähten», sagte der Chef der Batteriespeicher-Firma Voltfang, David Oudsandji, der dpa in Aachen. Man sei zudem offen für die Übernahme eines Teils der jetzigen e.Go-Belegschaft.

Voltfang hat derzeit nach eigenen Angaben 80 Beschäftigte und ein 1200 Quadratmeter großes Werk, e.Go hat 329 Beschäftigte. Um den Kauf der Firma gehe es nicht, sagte Oudsandji. «e.Go war wahrscheinlich zu langsam am Markt und hat nun keine Zukunft mehr.»

Voltfang macht keine Angaben zum Umsatz im vergangenen Jahr. «Es geht steil bergauf», sagte der 28 Jahre alte Firmenchef. Die Firma entstand nach seinen Angaben 2020 als Ausgründung aus der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, 2021 wurde sie zur GmbH.

Das Unternehmen kauft ausrangierte gebrauchte Batterien von Elektroautos auf und baut sie dann zu großen Batteriespeichern um. Die wiederum werden beispielsweise an große Supermärkte oder Fastfood-Restaurants verkauft, die Solaranlagen auf dem Dach haben. Ein Teil des tagsüber erzeugten Solarstroms wird in den Voltfang-Batterien zwischengespeichert, um ihn abends und nachts für den Betrieb der Kühlschränke oder für die Beleuchtung zu nutzen.

«Für den steigenden Anteil von Erneuerbaren im Energiemix braucht Deutschland immer mehr Zwischenspeicher», sagte der Maschinenbau-Ingenieur Oudsandji. 2023 habe die von Voltfang produzierte Speicherkapazität 5 Megawattstunden betragen, dieses Jahr würden 20 Megawattstunden angepeilt und nächstes Jahr 100 Megawattstunden. Oudsandji und zwei Uni-Kollegen sind Firmenchefs, sie halten die Mehrheit an der Firma. Zudem haben sie Investoren an Bord geholt. Auf die Frage, ob das Ego-Areal nicht eine Nummer zu groß wäre für das Start-up, sagte Oudsanji: «Wir wachsen sehr schnell und wollen in Aachen bleiben.» Er machte aber deutlich, dass er staatliches Fördergeld für nötig hält.

e.Go wurde 2015 in Aachen gegründet, Chef war zwischenzeitlich der Professor für Produktsystematik Günther Schuh. Dieser hatte sich zuvor einen Namen gemacht, als er mit einem Uni-Kollegen Streetscooter gründete und diesen Hersteller von Elektrotransportern später an die Post verkaufte. Mit e.Go versuchte Schuh sein Glück mit Elektro-Kleinwagen, scheiterte aber: 2020 durchlief die Firma ein Insolvenzverfahren, Schuh ging von Bord. Niederländische Investoren übernahmen das Aachener Unternehmen. Wirtschaftlich kam e.Go – nun umbenannt zu Next.e.Go – auch unter den neuen Eignern auf keinen grünen Zweig, Anfang März folgte erneut der Gang zum Amtsgericht, um einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens einzureichen. Seither prüft ein vorläufiger Insolvenzverwalter die Lage und hofft auf neue Investoren.