Leverkusens Florian Wirtz (r) geht nach seiner Auswechslung an Leverkusens Trainer Xabi Alonso vorbei. Foto: Federico Gambarini/dpa

Dublin (dpa) – Gegen diese bittere Final-Niederlage hätten sie bei Bayer Leverkusen ihren historischen Bundesliga-Rekord gern eingetauscht. «Uns allen war klar, dass die Serie irgendwann reißen muss», sagte Nationalspieler Jonas Hofmann nach dem 0:3 (0:2) im Europa-League-Endspiel gegen Atalanta Bergamo in Dublin am Mittwochabend. «Aber wenn wir tauschen könnten, hätten wir lieber in der Bundesliga noch ein Spiel verloren.» Kapitän Lukas Hradecky ergänzte: «Ich hätte die erste Niederlage gerne in einem bedeutungslosen Spiel kassiert.»

Am Wochenende hatten sie in Leverkusen noch dem Rekord gefeiert, als erster Club eine komplette Bundesliga-Saison ohne Niederlage beendet zu haben. Doch dass ihre unglaubliche Serie im 52. Spiel ausgerechnet in einem Finale endete, schmerzte alle sehr. Das Triple hat sich mit einem Schlag erledigt – und der Frust saß tief. «Niederlagen in Finals vergisst man nicht so leicht», sagte Trainer Xabi Alonso. «Leider ist unser Plan nicht aufgegangen. Das wird keine einfache Nacht für uns.»

So, wie die Saison über fast alles für Bayer lief, so lief am Mittwoch in Irland fast alles gegen die Werkself. «Wir hatten mal einen schlechten Tag. Aber es schmerzt, dass es in so einem wichtigen Spiel passiert», sagte Alonso. «Heute hat uns einfach vieles gefehlt.»

Und der Gegner schlug Bayer mit den eigenen Mitteln. Er kaufte dem Favoriten den Schneid ab durch leidenschaftliches, temporeiches und aggressives Spiel und nutzte seine Chancen eiskalt. Vor allem in Person des Nigerianers Ademola Lookman, der in zwei Spielzeiten für RB Leipzig ganze fünf Pflichtspiel-Tore erzielt hatte und Bayer nun mit einem Dreierpack (12., 26. und 75. Minute) quasi alleine besiegte. «Wahrscheinlich hat er das Spiel seines Lebens gemacht», sagte Hradecky ernüchtert.

So herrschte 69 Stunden vor Anpfiff des DFB-Pokalfinales gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag in Berlin die pure Ernüchterung. «Wir müssen ehrlich zugeben, dass Atalanta es verdient hat», sagte Nationalspieler Robert Andrich. «Dadurch lässt es sich vielleicht einfacher abhaken.» Andrichs Fazit war dennoch so klar wie unerbittlich: «Heute war einfach ein beschissener Tag.»