Schiedsrichterassistent mit Fahne beim Fußballspiel.
Der vierte Offizielle Nicolas Winter übernimmt das Amt des Schiedsrichter-Assistenten Th. Siewer nach einer Verletzung. Foto: Swen Pförtner/dpa

Wolfsburg (dpa) – Der 1. FC Köln hat sich im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga einen wichtigen Auswärtspunkt verdient. Durch das 1:1 (1:1) beim VfL Wolfsburg verbesserte sich der bisherige Tabellenvorletzte am Samstag zumindest vorläufig auf den Relegationsplatz. Vor 24.525 Zuschauern brachte Faride Alidou den FC in der 38. Minute in Führung. Dem US-Amerikaner Kevin Paredes gelang aber schon zwei Minuten später der Ausgleich (40.). Beide Clubs bleiben dadurch im neuen Jahr sieglos.

Der Mann des Tages aber war eigentlich nur als Zuschauer ins Stadion gekommen und erlebte dann mit 32 Jahren sein Bundesliga-Debüt – als Vierter Offizieller. Der frühere Wolfsburger Nachwuchsspieler Tobias Krull ist Torwart und Sportlicher Leiter beim MTV Gifhorn in der Fußball-Landesliga. Er meldete sich während der ersten Halbzeit, als der Stadionsprecher per Lautsprecher-Durchsage jemanden mit Schiedsrichter-Lizenz im Publikum suchte. Es wurde ein Ersatz für das vierte Mitglied des Schiedsrichter-Teams gesucht, das an der Seitenlinie zwischen den beiden Trainern steht.

Was war passiert? Bei einem Wolfsburger Angriff in der 14. Minute schoss der Kölner Abwehrspieler Max Finkgräfe den Ball in Seitenaus und traf den Linienrichter Thorben Siewer bei diesem Klärungsversuch aus kurzer Distanz unabsichtlich im Gesicht. Siewer wurde zunächst behandelt und dann in die Schiedsrichter-Kabine gebracht. Seinen Job übernahm der eigentliche Vierte Offizielle: Nicolas Winter. Bis dessen Ersatz auf der Tribüne gefunden war und das Spiel fortgesetzt werden konnte, vergingen rund 15 Minuten.

Köln spielte nicht wie ein Absteiger in Wolfsburg, obwohl der Club seinen großen Offensivproblemen hilflos gegenübersteht. Die wichtigsten Angreifer Davie Selke, Mark Uth und Wolfsburg-Leihgabe Luca Waldschmidt sind alle verletzt. Und Ersatz kann der FC wegen seiner Transfersperre nicht verpflichten.

Trotzdem spielten die Kölner mutig und selbstsicher und befreiten sich immer wieder aus der Dominanz der individuell so viel besser besetzten Wolfsburger. Aushilfs-Mittelstürmer Jan Thielmann hatte schon in der siebten Minute eine gute Chance. Frankfurt-Leihgabe Alidou traf per Kopf bei seinem ersten Startelf-Einsatz seit dem siebten Spieltag.

Dass zwischen Führung und Ausgleich nur zwei Minuten lagen, passt zu dieser Kölner Saison voller Rückschläge und Pannen. Die ohnehin große Wolfsburger Unzufriedenheit und Verunsicherung hätte mit Sicherheit noch zugenommen, hätte der VfL dem 0:1-Rückstand deutlich länger hinterherlaufen müssen.

Denn auch der Wolfsburger Auftritt war ein Abziehbild dieser enttäuschenden Saison. Bei klaren Chancen von Mattias Svanberg (2.) und Jonas Wind (11./66.) schimmerte die an sich vorhandene Klasse dieses Kaders immer wieder durch. Doch gemessen an diesen Möglichkeiten zeigte der VfL wieder einmal viel zu wenig. Eine Dominanz über die gesamte Spielzeit, eine erkennbare Spielidee, die nötige Kreativität in der Offensive: All das ließ die Mannschaft von Trainer Niko Kovac erneut vermissen.

In der zweiten Halbzeit wurde die Leistung sogar von Minute zu Minute schwächer. Angesichts zahlreicher Ungenauigkeiten und einfacher Fehler im Angriffsspiel hatten die Kölner fast überhaupt keine Mühe mehr, den VfL vom Tor fernzuhalten. Im Gegenteil: FC-Stürmer Thielmann vergab in der 82. Minute die Großchance zum 1:2. Kurz vor Schluss traf aber auch Wolfsburgs Paredes nur den Pfosten (89.).

Eigentlich wollten die Wolfsburger in den Spielen gegen die Abstiegskandidaten Mainz und Köln sowie beim Aufsteiger Heidenheim eine Aufholjagd auf die Europa-League-Plätze starten. Nach drei enttäuschenden Unentschieden ist der Rückstand auf Rang sechs nun schon auf neun Punkte angewachsen.