Firmenschild "AGRAVIS Raiffeisen AG" gegen Himmel.
Das Logo der Agravis Raiffeisen AG an der Zentrale in Münster. Foto: Caroline SeidSeidel-Dißmannel/dpa/Archiv

Münster (dpa/lnw) – Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis rechnet wegen weiterhin niedriger Preise mit einem deutlichen Umsatzrückgang für das laufende Jahr. Preisbedingt war der Umsatz des Unternehmens mit Sitz in Münster im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2023 von 9,4 auf 8,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Nach Angaben von Vorstandschef Dirk Köckler plant Agravis für 2024 mit einem weiteren Minus auf noch 8,1 Milliarden Euro. Wegen des nassen Winters verweist der Vorstandschef bei seinem Ausblick auf Probleme bei der Bewirtschaftung der Ackerflächen. «Schon jetzt ist absehbar, dass die Getreideernte 2024 mengenmäßig keine neuen Rekorde bringen wird», sagte der Vorstandsvorsitzende bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwoch in Münster.

Den Gewinn vor Steuern hat Agravis von 61,5 auf 64,4 Millionen Euro gesteigert, hier plant Köckler für 2024 nur noch mit 60,1 Millionen Euro. Über die Höhe der Dividende entscheidet die Hauptversammlung am 14. Mai in der Halle Münsterland. Einen entsprechenden Vorschlag werde der Agravis-Vorstand mit der Einladung veröffentlichen, sagte Köckler.

Die Landwirtschaft brauche verlässliche Entscheidungen für die Zukunft, sagte Köckler. «Landwirtschaftspolitik mit den Augen der Großstadt zu betreiben, kann nicht funktionieren. Wir wehren uns deshalb gegen eine Stadt-Land-Diskussion und setzen alles daran, dass gerade in der Gesetzgebung auch die Position des ländlichen Raumes berücksichtigt wird», sagte der Agravis-Chef.

Entscheidungen zur Streichung des Agrardiesels bezeichnete er als Willkür und Vertrauensbruch für die Landwirte. Die Pläne der Bundesregierung zum Agrardiesel hatten für wochenlange Proteste von Landwirten gesorgt. Am Freitag berät der Bundesrat über das Wachstumschancengesetz. Die CDU/CSU macht ihre Zustimmung von Zusagen beim Streitthema Agrardiesel abhängig.

Bei den Investitionen legte Agravis im Vorjahresvergleich von 58,1 auf 97 Millionen Euro zu. Auch stieg die Zahl der Mitarbeiter im Vorjahresvergleich von 6644 auf 6853. Mit Blick auf das Umsatzminus verweist Finanzvorstand Hermann Hesseler auf einen Faktor. «Der Rückgang ist ausschließlich auf gesunkene Preise für wichtige Produktgruppen wie Getreide, Raps, Düngemittel und Energie zurückzuführen», sagte Hesseler bei der Vorstellung der Bilanz.