Innenminister Herbert Reul (CDU) kommt zu einer Sitzung des Innenausschusses des Landtags.
Innenminister Herbert Reul (CDU) kommt zu einer Sitzung des Innenausschusses des Landtags. Foto: Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Düsseldorf (dpa/lnw) – Die Anti-Terror-Razzia in Castrop-Rauxel soll in einer weiteren außerordentlichen Sitzung im Düsseldorfer Landtag aufgearbeitet werden. Die SPD-Fraktion hat eine Sondersitzung des Innenausschusses beantragt, die nach dpa-Informationen für Freitag nach der Plenarsitzung angesetzt wurde. Anlass sind neue Enthüllungen um den Ablauf der Ermittlungen – und die späte Information des Innenministers Herbert Reul (CDU). Der ist sauer, weil nun «der gesamte Innenausschuss nachsitzen» solle.

Vergangenen Montag war bereits der Rechtsausschuss zu einer Sondersitzung zum Fall Castrop-Rauxel zusammengekommen. Dort wurde klar, dass das Bundeskriminalamt (BKA) Hinweise auf einen mutmaßlichen Anschlag bereits am 30. Dezember bekommen hatte. Die Razzia im Ruhrgebiet war erst am 7. Januar.

Vergangenen Donnerstag kam dann im nicht-öffentlichen Teil des Innenausschusses nach dpa-Informationen heraus, dass die Sicherheitsbehörden in NRW tatsächlich am 31. Dezember vom BKA darüber informiert worden waren, dass ein möglicher Tatort in NRW liegen könnte. Das BKA bestätigte das gegenüber der «WAZ».

Pikant: Innenminister Reul erfuhr nach eigenen Angaben erst eine Woche später davon. Inzwischen war klar, dass es nicht nur um einen Tatort in NRW geht – sondern die mutmaßlichen Attentäter hier leben. Eine sogenannte IP-Adresse hatte zu der Wohnung in Castrop-Rauxel geführt, wo am späten Abend des 7. Januar die Verdächtigen festgenommen wurden.

Die SPD will in der Sondersitzung erfahren, was das Landeskriminalamt zwischen dem 31. Dezember und dem 7. Januar gemacht hat – und warum Reul von seinen eigenen Leuten nicht früher informiert wurde. Der Fall werfe «ein schlechtes Licht auf den NRW-Innenminister», sagte SPD-Innenexpertin Christina Kampmann.

Reul wiederum sagte am Montag der dpa: «Hier werden Fragen gestellt, die im Innenausschuss umfänglich beantwortet wurden.» So habe es bis kurz vor der Razzia nur einen «vagen und abstrakten Hinweis, der nach NRW führte» gegeben. «Es lagen jedoch keine konkreten Informationen vor, die auf mögliche Tatverdächtige, etwaige Mittäter oder Anschlagsziele in NRW hindeuteten», so Reul.

Wie die «Rheinische Post» zuerst berichtete, war der vage Hinweis ein verdächtiger Telegram-Account, der sich über ein freies WLAN außerhalb von Castrop-Rauxel eingeloggt hatte. Das ließ sich laut Sicherheitskreisen nicht weiter eingrenzen – es hätte auch ein Verdächtiger auf Durchreise sein können. Erst Tage später führte eine konkrete IP-Adresse zu der Wohnung in Castrop-Rauxel.