Mädchen liest Kinderbuch auf rotem Teppich.
Ein Mädchen liest in einer Kita in Hamburg in einem Buch. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) – Um eine gezielte Sprachförderung von Jungen und Mädchen in der Kita gewährleisten zu können, müssen einer Untersuchung in NRW zufolge viele Rahmenbedingungen verbessert und Defizite abgebaut werden. Eine Umfrage von 514 Kita-Leitungen in Nordrhein-Westfalen habe dringenden Handlungsbedarf bei der Sprachförderung im frühkindlichen Bereich offengelegt, betonte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) am Dienstag zum Deutschen Kitaleitungskongress in Düsseldorf. Sprachkompetenz sei ein wichtiger Grundstein für einen erfolgreichen Bildungsweg. Bei dieser wichtigen pädagogischen Arbeit würden die Kindertagesstätten aber durch Faktoren wie Zeit- und Personalmangel, zu große Gruppen und zu wenig speziell für sprachliche Bildung qualifizierte Fachkräfte ausgebremst, kritisierte die Landesvorsitzende Anne Deimel.

Sehr bedenkliche Befunde laut Bildungsgewerkschaft

So sagten 56 Prozent der befragten Kita-Leitungen, dass sie in den zurückliegenden zwölf Monaten mehr als 20 Prozent der Zeit wegen Personalmangels mit Unterdeckung arbeiten mussten – es war also sogar weniger Personal im Einsatz als es die Aufsichtspflicht verlangt. Das sei «alarmierend», sagte Deibel. Außerdem gaben 88 Prozent an, dass sich der Personalmangel noch weiter verschärft habe. Rund 67 Prozent der Leitungen meinten, die Träger stellten inzwischen auch Leute ein, die noch vor einigen Jahren wegen unzureichender Qualifikation nicht akzeptiert worden wären.

Es zeigte sich laut VBE auch, dass die Gruppen zu groß seien. Nur 16 Prozent der Befragten gaben demnach an, die Fachkraft-Kind-Relation in der Kita sei so ausgestaltet, wie es wissenschaftlich empfohlen werde. Ein Verhältnis von 1 zu 3 bei unter Dreijährigen können 84 Prozent der Kitas nicht realisieren. Und 58 Prozent der Einrichtungen erreichen nach eigener Darstellung die empfohlene Quote von 1 zu 7,5 bei den Kindern über drei Jahren nicht.

Sprachliche Bildung ist «sehr wichtig»

Das sagen 60 Prozent der Kita-Leitungen. Aber: In fast jeder fünften Kita ist nach dortiger Aussage keine pädagogische Fachkraft speziell für sprachliche Bildung qualifiziert. Und 38 Prozent der Leitungen sagten nach VBE-Angaben, nur ein bis zehn Prozent ihrer Fachkräfte seien für diesen Bereich ausreichend ausgebildet. Auf die Frage nach den größten Herausforderungen im Hinblick auf den Bereich «Sprachliche Bildung» in der eigenen Einrichtung wurden am häufigsten Zeitmangel (54,4 Prozent) und Personalmangel (37,5 Prozent) genannt. In einer Kita würden durchschnittlich über alle Kinder hinweg mindestens sechs Sprachen gesprochen. Neben der mit Abstand meistverwendeten Sprache Deutsch (97 Prozent) sind das vor allem Türkisch, Arabisch, Russisch, Polnisch oder Englisch.

Mit Blick auf das schwache Abschneiden von Schülerinnen und Schülern bei den Sprachkompetenzen – in mehreren Studien belegt – sei die Förderung bereits in den Kitas umso wichtiger, unterstrich der VBE. Das gehe nicht ohne eine bessere Ausstattung, die Stimmen aus der Praxis sollten ernst genommen werden, verlangte Deimel. Inzwischen beobachteten 90 Prozent der Leitungen in NRW, dass die hohe Arbeitsbelastung der pädagogischen Fachkräfte zu steigenden Fehlzeiten und Krankschreibungen führe. Und: Nur noch 56 Prozent der Führungskräfte üben ihre Leitungstätigkeit gerne aus – 2023 hatten das 78 Prozent gesagt.