Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält an der Villa Hammerschmidt, der Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten, während eines Tages der offenen Tür eine Ansprache. Foto: Thomas Banneyer/dpa

Bonn (dpa) – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich mit Blick auf die rassistischen Gesänge junger Partygäste auf Sylt besorgt über «die Verrohung der politischen Umgangsformen» in Deutschland gezeigt. «Die jüngsten Ereignisse, die wir gerade in einem Video aus einer Bar auf der Insel Sylt gesehen und gehört haben, verstärken diese Beunruhigung», sagte Steinmeier am Samstag beim Demokratiefest in der alten Bundeshauptstadt Bonn.

«Sie verstärken sie, weil es offensichtlich nicht nur die Randständigen, Abgehängten sind, die sich radikalisieren, sondern das ist eine Radikalisierung, die mindestens in Teilen in der Mitte der Gesellschaft auch stattfindet.» Umso mehr komme es auf die große Mehrheit der Demokratinnen und Demokraten in Deutschland an, die Demokratie zu bewahren, Umgangsformen zu bewahren, in denen sich Demokratie entwickeln könne.

Auf dem kurzen Video, das am Donnerstag viral gegangen war und zu Pfingsten entstanden sein soll, ist zu sehen und zu hören, wie junge Menschen zur Melodie des mehr als 20 Jahre alten Party-Hits «L’amour toujours» von Gigi D’Agostino rassistische Parolen grölen. Scheinbar völlig ungeniert und ausgelassen singen sie «Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!». Ein Mann macht eine Geste, die an den Hitlergruß denken lässt. Von den Umstehenden scheint sich niemand daran zu stören.