Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban. Foto: Meng Dingbo/Xinhua/dpa

Budapest (dpa) – Der ungarische Staat hat 80 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft des Budapester Flughafens Ferihegy erworben. Das teilte das ungarische Wirtschaftsministerium am Donnerstagabend in Budapest mit. Nach mehrjährigen Verhandlungen mit dem bisherigen Mehrheitseigentümer, der in Düsseldorf ansässigen AviAlliance GmbH, sei nun der Kaufvertrag unterzeichnet worden. 20 Prozent der Anteile an der Budapest Airport AG erwirbt der französische Infrastruktur-Konzern Vinci. Den Kaufpreis gab das Ministerium mit 3,1 Milliarden Euro an.

«Der Besitz des Flughafens ist eine Frage der Souveränität», sagte Wirtschaftsminister Marton Nagy. In Hinblick auf den Tourismus wie auch auf den Cargo-Verkehr handele es sich bei Ungarns größtem internationalen Airport um «eine Schlagader des Wirtschaftskreislaufs».

AviAlliance ist ein 1997 von Hochtief gegründeter Flughafeninvestor, der unter anderem die Flughäfen Düsseldorf, Hamburg und Athen betreibt. Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatte in den letzten Jahren Druck auf die Budapester Tochter des Unternehmens ausgeübt, um den Konzern zum Verkauf der Betreibergesellschaft zu bewegen.

Der seit 2010 regierende Orban hat es sich zum Ziel gesetzt, als strategisch betrachtete Sektoren der Volkswirtschaft unter die Kontrolle des Staates oder von Orban abhängiger Oligarchen zu bringen. Unter anderen gelangten große Banken, ein Mobiltelefon-Netzbetreiber und andere Telekom-Unternehmen unter Orbans Einfluss, nachdem der Staat oder staatsnahe Unternehmen sie ihren bisherigen privaten ausländischen Besitzern abgekauft hatten.