Industriekomplex und Fördertürme aus der Luft.
Blick auf das das Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Foto: Federico Gambarini/dpa

Essen (dpa) – Mehr als 16 Kilogramm wiegt der Abbauhammer, mit dem Bergarbeiter einst acht Stunden lang Kohle aus dem Gestein hauen mussten – Originalwerkzeuge wie dieses sollen den Besuchern der Essener Zeche Zollverein künftig einen authentischen Eindruck von der harten Arbeit unter Tage vermitteln.

Auf der einst weltgrößten Zeche wird an diesem Sonntag die Dauerausstellung «Untertagewelt» offiziell mit einem Festakt eröffnet. Damit werde ein dringender Wunsch der zahlreichen Besucher der überirdischen Zechenanlagen erfüllt, sagte der Chef des deutschen Steinkohlenunternehmens RAG, Peter Schrimpf, am Freitag bei der Präsentation. Die Ausstellung zeigt unter dem Motto «Untertagewelt» mit vielen Fotos, Filmen, Tonaufnahmen und Originalwerkzeugen, wie hart die Arbeit beim Kohleabbau in mehr als 1000 Metern Tiefe war.

Die 1986 geschlossene Essener Steinkohlenzeche hatte in Spitzenzeiten über 8000 Menschen beschäftigt. Seit dem Ende des deutschen Steinkohleabbaus 2018 sei der Weg unter Tage verschlossen, sagte der Chef des Ruhrmuseums, Prof. Theodor Grütter. Mehr als 160.000 Besucher kämen jedes Jahr auf die Zeche Zollverein, um sich die überirdischen Anlagen und die benachbarte Kokerei in Essen anzuschauen. Viele fragten dabei nach dem Arbeitsalltag unter Tage. Für sie gebe es nun das zusätzliche Angebot.

Die Ausstellung beginnt mit einer stark vergrößerten historischen Aufnahme vom Abbau an einem nur etwa einen Meter mächtigen Kohleflöz. Die Kumpel mussten dabei in drückender Enge schuften und waren kaum geschützt. Unfälle durch herabfallendes Gestein hätten in der Anfangszeit immer gedroht, sagte Grütter. Insgesamt hätten im Ruhrbergbau weit mehr als 1000 Menschen ihr Leben gelassen.

Die Ausstellung zeige deshalb auch Sicherheitsvorkehrungen und Rettungsmittel wie die legendäre «Dahlbusch-Bombe», eine nur 38,5 Zentimeter breite torpedoförmige Rettungskapsel für verschüttete Bergleute. Die nach einer Zeche in Gelsenkirchen benannte Kapsel hatte noch 2010 in einer modernisierten Version bei einem Grubenunglück in Chile zahlreiche Bergleute gerettet.

In jüngerer Vergangenheit habe der deutsche Steinkohlenbergbau die Arbeitssicherheit optimiert, sagte Schrimpf. Bis zum Förderende 2018 wurde das «Schwarze Gold» schon lange nicht mehr mit der Hand, sondern mit Hobeln an schweren Ketten und unter dem Schutz von großen Metallschilden gewonnen, wie auf Filmen zu sehen ist.

Die Ausstellung zeigt, dass Kumpel schon früh von weither kamen – aus Niedersachsen und Ostpreußen, aus Portugal, der Türkei und Südkorea. Zeitweise mussten auch Zwangsarbeiter unter Tage schuften. Zum Arbeitsalltag gehörten dabei lange Wege unter der Erde – allein die Zeche Zollverein hatte zuletzt rund 120 Kilometer unterirdisches Streckennetz – die zu Fuß, mit Hängebahnen oder als menschlicher Passagier auf Förderbändern zurückgelegt wurden.

Die Arbeit der Kumpel habe über hundert Jahre lang zum Wohlstand Europas beigetragen, sagte Grütter. Zu sehen sind aber auch die negativen Begleiterscheinungen: Als Folge des Kohle- und Gesteinsabbaus muss bis heute in riesigen Mengen Grubenwasser abgepumpt werden, damit das Ruhrgebiet nicht in Teilen versinkt. Für diese sogenannten Ewigkeitslasten fallen laut Schrimpf jedes Jahr in Deutschland rund 250 Millionen Euro an.