Das Langhaus ist im Kölner Dom nachts menschenleer.
Das Langhaus ist im Kölner Dom nachts menschenleer. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Bonn (dpa) – Im vergangenen Jahr sind in Nordrhein-Westfalen weniger Menschen aus der katholischen Kirche in ausgetreten. 2022 hatte die Zahl der Austritte bei mehr als 143.000 gelegen, was einen dramatischen Negativrekord darstellte. 2023 waren es dagegen «nur» 115.431, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn mitteilte. Insgesamt gehören jetzt noch 5,9 Millionen Menschen in NRW der katholischen Kirche an. Die Entwicklung entspricht dem bundesweiten Trend.


Im Bistum Aachen kehrten rund 15.000 Menschen der katholischen Kirche den Rücken, in Essen gut 12.000, in Münster fast 30.000, im Erzbistum Paderborn gut 21.000 und im größten deutschen Bistum, dem Erzbistum Köln, fast 41.000.

Dass die Zahl der Austritte gesunken sei, sei «erst mal erfreulich», sagte der Kölner Generalvikar Guido Assmann dem Domradio. Allerdings sei die Zahl insgesamt immer noch sehr hoch. «Insofern ist die Freude verhalten.» Mit Blick auf das wegen Kardinal Rainer Maria Woelki oft in der Kritik stehende Erzbistum Köln sagte Assmann: «Jetzt zu sagen, es gibt im Erzbistum Köln eine Krise und deshalb würden hier besonders viele Menschen austreten, ist von der Statistik überhaupt nicht belegt.»

Der Aachener Generalvikar Thorsten Aymanns bezeichnete es als «erfreulich», dass weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten seien als im Vorjahr. Ebenso sagte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller der Deutschen Presse-Agentur, grundsätzlich sei es positiv, dass der 2022 noch dramatische Anstieg von Kirchenaustritten 2023 offenkundig unterbrochen worden sei. «Dennoch sind über 400.000 Kirchenaustritte weiter dramatisch – eine Größe wie eine Stadt wie Münster -, weil sie den fortschreitenden Vertrauensverlust in die katholische Kirche aufzeigen. Die Implosion der katholischen Kirche zu einer Minderheitenkirche ist unumkehrbar.»

Insgesamt – also aus beiden Kirchen – waren 2023 in NRW 197.012 Menschen ausgetreten, wie das Justizministerium in Düsseldorf Anfang des Jahres mitgeteilt hatte. 2022 waren es 223.509 Austritte gewesen, im Jahr davor 155.322.