
Düsseldorf (dpa/lnw) – Das Fahren mit Bussen und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr ist für Millionen Fahrgäste in Nordrhein-Westfalen mit Beginn des neuen Jahres teurer geworden. Größter Punkt ist dabei die seit langem feststehende Preiserhöhung beim Deutschlandticket von bisher 58 Euro auf nun 63 Euro pro Monat, die von der Verkehrsministerkonferenz entschieden wurde. In weiten Landesteilen sind weitere Tickets und Abonnements teurer geworden.
Welchen Stellenwert hat das Deutschlandticket?
Die meisten Fahrgäste in Busse und Bahnen sind mit dem Deutschlandticket unterwegs. Im Gebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) gibt es 1,7 Millionen Besitzer eines Deutschlandtickets. Im Gebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS) verfügen etwa 800.000 Kunden über ein Deutschlandticket.
Eine weitere Zahl verdeutlicht den hohen Stellenwert: Fast 80 Prozent aller Fahrten beim VRS und beim Aachener Verkehrsverbund (AVV) werden mit dem Deutschlandticket abgedeckt. Der neue Preis von 63 Euro pro Monat liege weiterhin deutlich unter dem Preis vergleichbarer Abos, betonten im Vorfeld der Preiserhöhung Sprecher der Verkehrsverbünde von AVV, VRS und VRR.
Welchen Geltungsbereich hat das Deutschlandticket?
Das Deutschlandticket war zum 1. Mai 2023 für bundesweite Fahrten im Nah- und Regionalverkehr als digital buchbares, monatlich kündbares Abonnement eingeführt worden. Für Fahrten im Fernverkehr gilt das Deutschlandticket hingegen nicht. Erst zu Jahresbeginn 2025 war der Preis für das Deutschlandticket von 49 auf 58 Euro pro Monat gestiegen. Jetzt ist der Preis zum 1. Januar 2026 auf 63 Euro pro Monat erneut angehoben worden.
Sind auch andere Nahverkehrstickets teurer geworden?
Ja. Der VRR hat seine Ticketpreise zum 1. Januar 2026 um durchschnittlich 4,9 Prozent angehoben. Beim VRS beträgt die Preiserhöhung früheren Angaben zufolge im Schnitt 1,9 Prozent und beim AVV durchschnittlich 1,96 Prozent.
Der Verkehrsverbund Westfalentarif hat seinen Stichtag für Preiserhöhungen auf den 1. Januar umgestellt. Für das Jahr 2026 erhöhten einige westfälische Verkehrsunternehmen Preise «nur in sehr geringem Umfang». Andere verzichten nach Angaben des Verkehrsverbundes auf eine Preiserhöhung.
Allerdings hatte der Verkehrsverbund Westfalentarif zu seinem alten Stichtag 1. August 2025 die Preise erst wenige Monate zuvor um 5,29 Prozent angehoben.
Bei den Tarifen der einzelnen Verkehrsverbünde geht es um Fahrten im öffentlichen Nahverkehr mit Bussen und Bahnen, mit S-Bahnen und Regionalzügen. Die Einzelfahrscheine machen nur einen kleinen Teil aus.
Was ist mit bereits gekauften Tickets?
Der VRS erklärte für sein Gebiet, dass bereits gekaufte Tickets, deren Preis sich geändert hat, noch für den Zeitraum bis zum 31. März 2026 gültig blieben. Danach könnten sie noch drei Jahre lang umgetauscht werden. Dabei sei dann lediglich die Differenz zum aktuellen Ticketpreis zu bezahlen, teilte der VRS mit.
Anderenorts gibt es ähnliche Regelungen. So teilte die Rheinbahn in Düsseldorf mit: Alte Tickets könnten die Kundinnen und Kunden bis zum 31. März 2026 noch ganz normal nutzen und in Bus und Bahn sozusagen abfahren.
Welche Änderungen gibt es beim NRW-Tarif?
Zahlreiche bisherige Angebote des NRW-Tarifs sind zum 1. Januar 2026 weggefallen, darunter SchöneReiseTicket NRW, SchöneFahrtTicket NRW,
und SchöneWocheTicket NRW, wie der VRS mitteilte. Als Ersatz sind mit dem EinzelTicket NRW (für Erwachsene und Kinder, Kinderpreis um 60 Prozent reduziert) und dem NRWupgrade 1. KlasseFahrt zwei neue Produkte gestartet. Die Preise für verbliebende NRW-Tarif-Produkte stiegen im Schnitt um 4,65 Prozent.
Womit begründen die Verkehrsverbünde ihre Preiserhöhungen?
Steigende Löhne und Gehälter sind ein Punkt, die die Verbünde anführen. Weiter steigende Kosten für Energie und Diesel sowie die allgemeine Kostenentwicklung sind weitere Punkte. Der VRR führt außerdem die «Transformation hin zu nachhaltigen Antrieben» an. Auch die Umsetzung der Mobilitätswende verursache Mehraufwendungen bei Verkehrsunternehmen.
Müssen Fahrgäste mit Warnstreiks rechnen?
In Nordrhein-Westfalen soll am 21. Januar in Köln die neue Tarifrunde für rund 30.000 Beschäftigte in mehr als 30 kommunalen Verkehrsbetrieben starten. Verdi NRW hat schon erklärt, dass nach der ersten Verhandlungsrunde Arbeitskämpfe denkbar seien. Bei den vorigen Tarifrunden legten Warnstreiks immer wieder den kommunalen Nahverkehr gerade in großen Städten lahm.
