Ratingen | Wenn in Lintorf vor dem alten Rathaus an der Speestraße das Banner hochgezogen wird, ist das kein Stück Stoff – das ist der amtliche Startschuss fürs Kribbeln im Bauch. Denn spätestens dann wissen alle im Dorf: Der Kinderkarneval ist nicht nur im Anmarsch, er hat die Tanzschuhe schon an.
Mit guter Laune, routiniertem Griff ans Seil und dem Blick „Das klappt gleich – und wenn nicht, lachen wir trotzdem“ eröffneten Kinderprinzenpaar und großes Prinzenpaar gemeinsam die Session in den Straßenmodus. Johannes I. und Emma I. standen dabei namens und zeichens des RaKiKa e.V. nicht nur vorne am Banner, sondern mittendrin im schönsten Lintorfer Ritual: einmal kurz feierlich, dann sofort fröhlich. Unterstützt von Dirk Wittmer und Uwe Westphal wurde die Bannerhängung zur kleinen Bühne – inklusive Proklamation unter den Augen von Prinz Jörg I. und seiner Lieblichkit Ratingia Claudia III. Und weil Worte allein im Karneval nur die halbe Miete sind, ging’s anschließend direkt musikalisch weiter: Sessionslied an, Tanzbein raus.
Die großen Tollitäten ließen sich natürlich nicht lumpen. Kaum war der erste Takt gespielt, war aus der närrischen Schar eine bewegliche Menschenmenge geworden – irgendwo zwischen Amateurmodus und hoher Proffesionalität, „Ich kann das eigentlich gar nicht“ und „Guck mal, der kann das sogar richtig“. Vorbeieilende Passanten? Die nahmen es mit jener Gelassenheit, die man aus Lintorf kennt: Ach, da wird wieder getanzt. Klar. Bannerhissen. Alles normal.
Und genau das macht den Charme dieser Brauchtumsveranstaltung aus: Sie ist jedes Jahr gleich – und trotzdem jedes Jahr neu. Das Bannerhissen gehört seit Langem zur Tradition rund um den Lintorfer Kinderkarnevalszug und ist so etwas wie das sichtbare „Jetzt geht’s los“ für die ganze Session.
Wer sich fragt, warum ausgerechnet Lintorf als Hochburg des Ratinger Kinderkarnevals gilt: Der organisierte Kinderkarneval hat hier tiefe Wurzeln. Schon Anfang der 1970er-Jahre wurde das bunte Treiben in Lintorf maßgeblich geprägt – und der heutige RaKiKa e.V. pflegt und fördert diesen Kinderkarneval mit viel Herzblut, vom Kinderprinzenpaar bis zum Kinderkarnevalszug.
Der Zug selbst rollt traditionell am Sonntag vor Rosenmontag ab 14:11 Uhr durch Lintorf – rund zwei Kilometer bunt, laut, liebenswert und mit ausreichend Kamelle-Potenzial, um die Jackentaschen in kleine Schatztruhen zu verwandeln. Praktisch für Familien: Entlang der Strecke gibt es mehrere gut erreichbare Park-Bereiche; zudem informiert der RaKiKa über Anreise und Straßensperrungen, damit aus „Wir sind gleich da!“ kein „Wir stehen noch… irgendwo“ wird.
Zum Schluss der Banner-Aktion wurden – wie es sich gehört – noch Orden verteilt. Und dann ging’s auseinander: die einen zu Folgeauftritte, die anderen Richtung Markt, und manche vermutlich mit einem letzten zufriedenen Blick in den idyllisch ruhigen Wald. Lintorf kann eben beides: laut und leise. Aber heute war eindeutig laut. Mit einem fröhlichen Helau – und der Gewissheit: Wenn das Banner hängt, kann am 15. Februar der Zug kommen.
- Grosses und kleines Prinzenpaar beim Tanz vor dem Alten Rathaus in Lintorf, Bild: Alexander Heinz


