Ratingen | Am Montag, 27. Januar, lädt die Stadt Ratingen um 16 Uhr zur Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am jüdischen Ehrenfriedhof an der Werdener Straße ein. Michael Droste, erster stellvertretender Bürgermeister, wird eine Ansprache halten und im Anschluss einen Kranz am Ehrenmal niederlegen. Eingeladen sind Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Repräsentanten aus Rat und Verwaltung sowie alle Bürgerinnen und Bürger, die ein Zeichen gegen das Vergessen setzen wollen.
Der Termin ist bewusst gewählt: Der 27. Januar erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen im Jahr 1945. Auschwitz steht weltweit als Chiffre für den industriell organisierten Massenmord, für Terror, Rassenwahn und Völkermord unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
In Deutschland hat dieser Tag seit 1996 einen festen, staatlichen Rahmen. Bundespräsident Roman Herzog erklärte am 3. Januar 1996 den 27. Januar zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ – verbunden mit dem Auftrag, Erinnerung wachzuhalten und daraus Verantwortung für Gegenwart und Zukunft abzuleiten. International wurde der 27. Januar später ebenfalls verankert: Die Vereinten Nationen beschlossen 2005 in der Resolution 60/7, den Tag als jährlichen Internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust zu begehen und Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, Rassismus und Holocaust-Leugnung zu stärken.
Der Ort des Ratinger Gedenkens ist dabei selbst ein Stück Stadtgeschichte. Die heutige Erinnerungsstätte an der Werdener Straße markiert den früheren jüdischen Friedhof („Judenlindgen“), der vor 1783 angelegt wurde und bis 1937 als Begräbnisplatz genutzt war. In der Nacht zum 10. November 1938 – im Kontext der Novemberpogrome – wurde der Friedhof verwüstet und kurz darauf eingeebnet. Er ist heute als Grünanlage erhalten, die zugleich ein Mahnmal geblieben ist.
An der Erinnerungsstätte wird seit 1959 jährlich am 9. November der ermordeten Ratinger Jüdinnen und Juden gedacht; 2013 wurde die kleine Fläche zudem als Erinnerungsort neu gestaltet. Sichtbar sind Gedenkelemente wie ein Gedenkstein (errichtet 1946) und Tafeln, die an die deportierten und ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Ratingen erinnern.
Mit der Gedenkfeier am 27. Januar knüpft die Stadt an diese lokale Erinnerungskultur an und verbindet sie mit dem nationalen und internationalen Gedenktag. Die Einladung an die Öffentlichkeit macht deutlich: Gedenken ist keine Veranstaltung „für wenige“, sondern ein demokratischer Auftrag. Wer teilnimmt, setzt ein stilles, aber sichtbares Zeichen – für Respekt gegenüber den Opfern und gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit heute.

