Ruth Ortlinghaus (2.v.r.) hat die Leitung des Arbeitskreises Kultur und Gesellschaft an Elisabeth Lux übergeben. Mit Jan Heinisch, Michael Beck und Björn Kerkmann (von links) würdigten zwei ehemalige und ein amtierender Bürgermeister die scheidende Arbeitskreissprecherin. Foto: Mathias Kehren

Heiligenhaus. Nach über 30 Jahren übergibt Ruth Ortlinghaus als Mitbegründerin und Sprecherin des Arbeitskreises Kultur und Gesellschaft im Stadtmarketing Heiligenhaus ihre Aufgabe in jüngere Hände. Die 92-Jährige freut sich, mit Elisabeth Lux eine würdige Nachfolgerin gefunden zu haben. Lux war über 20 Jahre lang als Konrektorin der Realschule in Heiligenhaus tätig.


Drei Bürgermeister bei einem Termin – das ist auch in Heiligenhaus ein seltenes Bild. Im Wohnzimmer von Ruth Ortlinghaus kamen die ehemaligen Stadtoberhäupter Dr. Jan Heinisch und Michael Beck sowie der amtierende Bürgermeister Björn Kerkmann zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: das außergewöhnliche, über 30-jährige Engagement der scheidenden Sprecherin zu würdigen.

Jan Heinisch war weniger in seiner Funktion als ehemaliger Bürgermeister, sondern vielmehr als Vorsitzender des Fördervereins für das Stadtmarketing anwesend. Er hielt die Laudatio auf die leidenschaftliche Bücherfreundin Ortlinghaus und flocht dabei zahlreiche Zitate bekannter Autoren ein. Mit dem Kästner-Zitat “Wer Bücher schenkt, schenkt Wertpapiere” spielte Heinisch auf die frühere Rolle von Ruth Ortlinghaus als Leiterin der Heiligenhauser Bücherei an. Die Bürger zusammenzuführen, um in der Stadt etwas zu bewegen – das sei die ursprüngliche Idee des Stadtmarketings gewesen. Ortlinghaus habe die Bücherei als “kulturelle Drehscheibe” genutzt, um Netzwerke zu bilden, Künstler zusammenzuführen und Veranstaltungen zu organisieren.

Die Liste der Projekte, die unter der Mitwirkung oder durch den Anstoß von Ruth Ortlinghaus entstanden sind, ist lang. So kann der Kulturarbeitskreis auf zahlreiche Publikationen verweisen – vom Veranstaltungskalender über Broschüren zu den Pfadfindern oder Gerhard Tersteegen bis hin zur Geschichte der Heiligenhauser Juden. Auch Unternehmensführungen, Wanderungen und Oldtimer-Bustouren fanden stets vor einem historisch-informativen Hintergrund statt. 15 Mal machten zudem die “Filmschauplätze NRW” in Heiligenhaus Station. Regelmäßige Bücherflohmärkte, die Gründung des Bürgerbus-Vereins und die Installation von Bücherschränken gehen ebenfalls auf den Einsatz des Arbeitskreises zurück. Heiligenhaus habe sich stark verändert, so Heinisch, aber ohne den Arbeitskreis Kultur und die Arbeit von Ruth Ortlinghaus wäre die Stadtgesellschaft sicherlich ein Stück ärmer.

“Heiligenhaus hatte für mich immer etwas Heiles”, berichtet sie. Die schöne Umgebung, die Vereine und die Bücherei habe sie sehr positiv erlebt. Sie erinnert sich schmunzelnd an einen Büchereibesucher, der sie liebevoll “Büchertante” nannte und erzählte, er habe alle Bücher zum Vorlesen für seine Kinder bei ihr geliehen. Gerne denkt sie an ihre Wegbegleiter wie Hans O. Rasche, Dr. Walter Kaiser oder Rolf Watty zurück sowie an Projekte wie das “Gelbe Blütenband”, den “Tersteegen-Stein” oder auch die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte im Film “Heil Heiligenhaus”. Auch die Kinovorführung auf der damals noch unfertigen A44 bleiben für sie unvergessen. “Die Zeit ist von sehr vielen guten, positiven Erinnerungen geprägt”, so Ortlinghaus, “es hat einfach alles auch viel Spaß gemacht!”. Für die 92-Jährige endet die Arbeit nicht abrupt: Sie schreibt weiterhin an einem Buch über die Geschichte der Heiligenhauser Juden.

Bürgermeister Björn Kerkmann zeigte sich beeindruckt von dem, was durch die ehrenamtliche Arbeit erreicht wurde. Als ehemaliger Kämmerer bezeichnete er das Geschaffene als “unbezahlbar”. Viele hätten gute Ideen, doch oft fehle es an Zeit und Bereitschaft zur Umsetzung. Umso bemerkenswerter sei die Leistung der Arbeitskreise im Stadtmarketing.

“Mein Herz schlägt für die Kultur”

Für Ruth Ortlinghaus übernimmt nun Elisabeth Lux die Leitung. Die ehemalige Konrektorin zog 2003 von Essen nach Heiligenhaus und ist bereits in der “Stiftung Perspektive” aktiv, die Familien mit Nachmittagsbetreuung und Hausaufgabenhilfe unterstützt. Zum Arbeitskreis Kultur kam sie 2015, als der “Engel der Kulturen” zum 50-jährigen UNESCO-Jubiläum der Realschule vor dem Rathaus verlegt wurde. “Mein Herz schlägt einfach für die Kultur”, sagt Lux – der wohl wichtigste Aspekt für ihre neue Aufgabe als Sprecherin.