Alexander Bös im Duett mit dem singenden Wirt von Ratingen, Heinz Hülshoff, Bild: Alexander Heinz
Alexander Bös im Duett mit dem singenden Wirt von Ratingen, Heinz Hülshoff, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Wenn in der Dumeklemmerhalle die Fahnen wehen, die Musik anzieht und die ersten „Helau“-Rufe durch den Saal rollen, dann ist klar: Die Prinzengarde Blau-Weiss hat zur großen Prunksitzung geladen – und Ratingen kommt. So war es auch am Samstag: Zahlreiche kostümierte Jecken folgten der Einladung und wurden mit einem Abend belohnt, der das ganze Spektrum rheinischer Sitzungsfreude auf die Bühne brachte – mit Herz, Tempo und jeder Menge Konfetti im Kopf.


Schon der feierliche Einzug setzte den Ton: Gemeinsam mit all ihren Tanzgarden zog die Prinzengarde ein, begleitet vom Ratinger Prinzenpaar. Prinz Jörg I. und Prinzessin Claudia III. wurden begeistert empfangen – ein Moment, der sofort diese besondere Mischung aus Stolz, Tradition und ausgelassener Vorfreude spürbar machte. Besonders berührend: Prinzessin Claudia III. nutzte die Bühne für persönliche Dankesworte an die vielen Helferinnen und Helfer der Prinzengarde. Keine Pflichtfloskel, sondern echte Wertschätzung – herzlich, nahbar und genau deshalb so passend zu einem Abend, der Karneval nicht nur als Programm, sondern als Gemeinschaftserlebnis lebte.

Durch die Sitzung führte Sitzungspräsident Alexander Bös, der dieses Amt seit 13 Jahren mit sichtbarem Herzblut ausübt. Souverän, leidenschaftlich und mit dem richtigen Gespür für Timing hielt er den roten Faden zusammen – und hatte dabei ein Programm in der Hand, das wirklich alle Register zog. Mit den „Funky Marys“ und den „Rabaue“ standen gleich zwei Kölner Hochkaräter auf der Bühne, die mit ihren bekannten Hits den Saal zum Kochen brachten. Und doch zeigte sich die Klasse des Publikums nicht nur beim Mitsingen und Schunkeln, sondern auch danach: Denn wer nach einem musikalischen Feuerwerk einem Büttenredner wieder aufmerksam lauscht, der weiß, wie Sitzung funktioniert. J. P. Weber und Jörg Hammerschmidt hatten diese Aufmerksamkeit – und nutzten sie mit Bravour. Einen besonderen Augenblick konnten die Feiernden dann auch noch erleben, als Heinz Hülshoff zum Schluss seines Auftritts noch den Sitzungspräsidenten zum Duett nach vorne lockte, zu einem Klassiker der Ratinger Karnevalslieder, daß seinerzeit von Alexander Bös Großvater komponiert wurde.

Die tänzerischen Höhepunkte lieferte die Prinzengarde Blau-Weiss einmal mehr selbst – und genau das macht diese Sitzung so besonders: Man spürt, dass hier nicht „eingekauftes Programm“ aneinandergereiht wird, sondern ein Verein auf der Bühne steht, der seinen Karneval lebt. Bereits zu Beginn präsentierten sich die Jugendtanzgarden mit schwungvollen Darbietungen. Später setzte das Pagettencorps der Prinzengarde einen Glanzpunkt mit einem Gardetanz, der kraftvoll und präzise zugleich wirkte – und dabei emotional genug war, um den Funken bis in die letzte Reihe springen zu lassen. Der Applaus kam entsprechend: lang, laut und verdient.

Ein weiterer Moment, der hängen blieb, war die Ehrung von Dieter Böcker für sein beeindruckendes 6×11-jähriges Engagement im Ratinger Karneval. Als er gemeinsam mit Sohn Christian und dessen beiden Kindern auf der Bühne stand, wurde aus einer Auszeichnung ein echtes Bild für das, was Karneval in Ratingen ausmacht: generationsübergreifend, verbindend, getragen von Menschen, die über Jahrzehnte Verantwortung übernehmen – und den Nachwuchs gleich mit an die Hand nehmen.

Und dann das Finale: Kurz nach 23 Uhr betrat die Werstener Music Company als letzter Programmpunkt die Bühne – und spätestens da gab es kein Halten mehr. Das Prinzenpaar stürmte den Elferrat, der ganze Saal feierte ausgelassen, als würde dieser Abend niemals enden. Genau so soll es sein: ein Schlussakkord, der nicht einfach ausklingt, sondern noch einmal alles bündelt – Freude, Energie, Gemeinschaft.

Wer danach noch nach Hause wollte, musste erst am Foyer vorbei. Dort fand die Veranstaltung ihren Ausklang – und wie so oft bei den Blau-Weissen wurde daraus eine Verlängerung bis spät in die Nacht.

Und weil Karneval bei der Prinzengarde nicht mit der letzten Zugabe endet, folgte am Sonntag traditionell der Kinderkarneval in der Dumeklemmerhalle. Unter dem Motto „Im Traumland, kunterbunt und fein – lädt Blau-Weiss zum Träumen ein!“ ging es für die jungen Gäste in eine fantasievolle Welt voller Farben, Spiele und Tänze. Besonders wichtig ist dem Verein, dass Kinder nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitmachen – und die Begeisterung der kleinen Jecken in der ausverkauften Halle zeigte: Das Konzept ging auch in diesem Jahr voll auf.

Die Prunksitzung 2026 hat damit einmal mehr bewiesen: Der Ratinger Karneval lebt – leidenschaftlich, herzlich und mit einem Programm, das in jeder Minute Freude ausstrahlt. Und wer am Samstag dabei war, dürfte den nächsten Termin längst im Kopf haben: Die Prinzengarde Blau-Weiss lädt schon jetzt zur nächsten großen Prunksitzung am 30. Januar 2027 ein. Nach diesem Wochenende gilt eigentlich nur ein Rat: früh eintragen – und dann wieder mitfeiern.