Ratingen | Wenn im Spiegelsaal des Ratinger Brauhauses plötzlich mehr Orden als Bierdeckel im Umlauf sind, dann ist klar: Blau-Rot vom Oberdorf hat gerufen. Und das taten sie am Freitagabend (06.02.) ziemlich erfolgreich – rund 180 Jecke machten den „Närrischen Abend“ im 75. Vereinsjahr zu einem „gut besuchten“ Heimspiel.
75 Jahre Torwache – mit Ziegenbock und Geschichte
Die Karnevalsgesellschaft, die viele schlicht als „Torwache vom Oberdorf“ kennen, hat Tradition: Gegründet wurde sie im September 1951 als „Interessengemeinschaft Siedlernarren Blau Rot“, später zur Stadtgarde erhoben (1971) – und zum 50-jährigen Jubiläum offiziell zur „Närrischen Torwache der Stadt Ratingen“ ernannt. Das erklärt auch, warum sie bei ihren Veranstaltungen nicht „irgendwas mit Karneval“ machen, sondern Karneval mit Haltung: bodenständig, stadtverbunden – und mit einem kleinen Augenzwinkern.
Der begehrte Orden: Ehrenbraumeister
Hauptpunkt des Abends war natürlich die Verleihung des „Närrischen Ehrenbraumeister-Ordens“ – eine Auszeichnung, die die Stadtgarde nach eigener Liste seit 2006 vergibt. In der Galerie der Ordensträger steht für 2025 als letzter Name Markus von Dollen – und genau der übernahm auch in diesem Jahr die Laudatio auf seinen Nachfolger.
Neuer Ordensträger 2026 wurde Stephan Ravens – vielen in Ratingen als Unternehmer bekannt, vor allem durch die Fahrschule Ravens GmbH in der Innenstadt. Wer ihn nur auf „Auto“ reduziert, unterschätzt den Mann: Ravens nicht nur gelernter Konditormeister, Fahrlehrer und Jez-Skier sondern u. a. auch Boots-Fahrlehrer (Binnen/See/SKS), Skipper und bietet Funkkurse an – kurz: einer, der nicht nur auf der Straße weiß, wo’s langgeht sondern auch weiß wie man das Leben appetitlich werden lässt.
Besuch aus Düsseldorf: der Hoppeditz
Ein echter Stimmungsmotor war der Besuch des Düsseldorfer Hoppeditz Jan Philip Hilger. Offiziell in Düsseldorf „im Amt“, aber mit Wohnsitz in Ratingen: beste Voraussetzungen also, um mit einem Grinsen erst das Lokale witzig zu kommentieren – um dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Bogen Richtung Landes- und Bundespolitik weiterzuziehen.
Velbert fliegt ein – wortwörtlich
Nach Tanzdarbietungen folgte der Besuch aus der Nachbarschaft: das Velberter Prinzenpaar Julian I. (Julian Graedtke) und Lina I. (Lina Hensel) samt Hofstaat. Und wer dachte, ein Prinzenbesuch sei „nur“ Protokoll, wurde eines Besseren belehrt: Das Sessionslied saß, die Stimmung auch – und die akrobatische Zugabe mit einer am Ende „fliegenden Prinzessin“ sorgte für genau den Moment, in dem man gleichzeitig staunt und sich fragt, ob man das Bier jetzt lieber festhalten oder applaudieren soll.
Besonders charmant: Nach der Velberter Abstinenz der vergangenen Jahre (deren Gründe irgendwo zwischen Kalender, Kommunikationsloch und „kann passieren“ verschwanden), wurde beiderseits versichert: Der Städteaustausch soll wieder dauerhaft Tradition werden.
Im folgenden ein paar Impressionen des Abends:
Natürlich ließ es sich auch das Ratinger Prinzenpaar nicht nehmen, bei Blau-Rot vorbeizuschauen: Prinz Jörg I. (Jörg Borowski) und seine Ratingia Claudia III. (Claudia Brebeck), passend zur Session unter dem großen Jubiläumsmotto „Ons Heimat es Ratingia – leev hoch im Jubiläumsjahr“.
Mit im Paket: die Schirmherrschaft – in dieser Session Marc Panzer (Spedition Marc Panzer) und Rolf Prack (Bodycosmo), also auch hier eine Kombination aus Strasse und Ästhetik, offiziell den Schirm über dem närrischen Geschehen.
Und ja: Das Sessionslied wurde ebenfalls angestimmt – inklusive Background-Power aus der Schirmherrenschaft und dem Motto „Wir stahn zosomme“, das an diesem Abend nicht nur gesagt, sondern auch gelebt wurde.
Als das Ratinger Gefolge (begleitet von den Ratinger Spiessratzen, Grün-Weiss) dann eilig weiter musste, verpasste es zwar noch eine furiose Bläsernummer „mit Pep und auf Stühlen“ – aber der Rest des Saals hatte die Botschaft ohnehin verstanden: Jetzt beginnt die heiße Phase.
Und so wurde bis nach Mitternacht das gemacht, wofür Karneval in Ratingen steht: gute Gespräche, viel Lachen – und dieses seltene Gemeinschaftsgefühl, bei dem man kurz vergisst, ob man sich eigentlich duzt, siezt oder einfach gemeinsam schunkelt.

