Karneval ist für viele Pferde kein Spaß. (Archivbild)
Karneval ist für viele Pferde kein Spaß. (Archivbild) Foto: Henning Kaiser/dpa

Köln (dpa/lnw) – Jedes Jahr ziehen beim Rosenmontagszug in Köln neben Prunkwagen, Musikgruppen und uniformierten Garden auch berittene Korps durch die Innenstadt. Für viele gehören die Pferde fest zum traditionellen Bild des rheinischen Karnevals. Auch dieses Jahr sollen etwa 230 Pferde beim Kölner Rosenmontagszug mitlaufen.


Zugleich steht ihr Einsatz seit Jahren in der Kritik. Tierschutzorganisationen warnen vor Stress, Leid und Unfallrisiken für die Tiere, Veranstalter und Reiter verweisen auf umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen und Trainingsprogramme.

Während Städte wie Bonn inzwischen vollständig auf Pferde in ihren Umzügen verzichten, hält Köln an der Tradition fest. Im Kölner Stadtrat wurden in der Vergangenheit Anträge diskutiert, den Einsatz von Pferden im Karnevalsumzug zu untersagen, teilt die Stadt auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Eine politische Mehrheit für ein generelles Pferdeverbot habe es bisher aber nicht gegeben. Was spricht für Pferde beim Karnevalsumzug – und was dagegen?

Was für einen Einsatz von Pferden spricht

Es gibt bereits Leitlinien, die das Leid der Tiere vermindern sollen. Sie wurden in NRW unter dem Namen «Leitlinien zum Umgang mit Pferden beim Einsatz in Karnevalsumzügen» vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz eingeführt. Darin gibt es folgende Punkte, die allerdings nur empfehlenden Charakter haben:

  • Pferde sollen an bestimmten Punkten der Strecke herausgenommen werden können und ein Tierarzt innerhalb von zehn Minuten da sein.
  • Pferde sollen am Anfang und Ende des Zuges und nicht in der Nähe von Musikkapellen positioniert werden.
  • Mindestens eine mit Pferden erfahrene Person soll pro Pferd mitlaufen.
  • Bei einem Kutschgespann sind zusätzlich mindestens vier Wagenbegleiter erforderlich.
  • Alkohol und andere Drogen sind für alle, die während des Umzugs mit Pferden befasst sind, tabu.
  • Pferde müssen vorab an Reize wie Wurfgeschosse, Flatterbänder oder Kapellen gewöhnt werden.

Laut dem Festkomitee Kölner Karneval, das den Rosenmontagsumzug veranstaltet, gehen deren eigene Richtlinien noch über diese Leitlinien hinaus: «Unter anderem müssen Reiter, Pferd und Pferdebegleiter regelmäßig trainieren und Qualifikationsprüfungen ablegen», erklärt Sprecherin Tanja Holthaus. «Kutscher, Reiter und Pferdebegleiter haben ganzjährig Kontakt zu Pferden, viele Reiter haben eigene Pferde. Das ermöglicht allen Beteiligten, den Zustand des Pferdes jederzeit gut einschätzen zu können.»

 

Auch sei ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Reiter und dem eingesetzten Tier nachzuweisen. «Zudem sind der zumutbare Lärmpegel, das Höchstgewicht von Reiter und Kamelle, das Mindest- und Höchstalter der Pferde sowie die maximale Einsatzzeit streng geregelt», erklärt Holthaus. Vor dem Start des Zuges würden zudem alle Tiere nochmals überprüft und nicht zugelassen, falls eine erhöhte Nervosität oder anderes dagegen sprechen.

Des Weiteren habe sich die Menge der Tiere bereits von etwa 500 Tieren vor zehn Jahren auf 230 geplante Tiere in diesem Jahr reduziert.

Was gegen einen Einsatz von Pferden spricht

Die geltenden Auflagen und Leitlinien sind sowohl für die Tierrechtsorganisation Peta als auch den Deutschen Tierschutzbund nicht ausreichend. Sie fordern ein vollständiges Verbot für die Tiere.

«Der Einsatz von Pferden beim Rosenmontagszug in Köln ist Tierquälerei, weil die Pferde erheblich unter dem Trubel auf dem langen Zugweg leiden», sagt Peter Höffken, Fachleiter des Kampagnenteams bei Peta. «Pferde sind Fluchttiere, die bei Gefahr weglaufen. Zwingt man sie wie in Köln, über viele Stunden großen Stress auszuhalten, bedeutet dies für sie enormes Leiden.»

Der Stress werde beispielsweise durch laute Musik, grölende Menschenmassen oder auch die fliegenden Süßigkeiten ausgelöst. Diesem Stress könnten die Tiere sich durch die Kandare und Zügel nicht entziehen, ohne Schmerzen im Mundbereich zu erleiden. Den Pferden sei das Leid leicht anzusehen, beispielsweise weil sie stark schwitzen, mit dem Kopf ausschlagen oder stark tänzeln.

2018 gab es einen Fall mit mehreren verletzten Menschen, weil Kutschpferde plötzlich losrannten. Die Stadt Köln reagierte laut Höffken damit, dass Pferde nicht mehr unmittelbar bei Musikkapellen laufen dürfen – ihm zufolge halten sich die Organisatoren jedoch nicht daran. «Dies zeigt uns, dass seitens des Veranstalters und der Stadt Köln wenig Interesse am Tierschutz besteht.»

 

Peta fordere daher von der Kommunalpolitik ein Verbot von Pferden bei sämtlichen Karnevalsumzügen. «Dies würde auch eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung freuen, wie eine INSA-Umfrage Anfang 2025 ergab», sagt Höffken. «Pferde gehören auf eine grüne Wiese, wo sie genug freien Auslauf haben und mit Artgenossen spielen können. Tradition hat noch nie Tierleid gerechtfertigt, daher müssen die Veranstalter und Politiker in Köln endlich umdenken.»

Der Deutsche Tierschutzbund bewertet die Lage ähnlich und lehnt «den Einsatz von Pferden im Karneval grundsätzlich ab und fordert Städte, Veranstalter und Festkomitees auf, bei Umzügen auf Pferde zu verzichten», teilt Pressesprecherin Lea Schmitz auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

«Unabhängig von der Vorbereitung oder dem Training der Pferde stellen Umzüge immer eine Belastung und Ausnahmesituation dar. Zudem birgt der Einsatz von Pferden ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko auch für die Menschen am Straßenrand, was Unfälle in der Vergangenheit gezeigt haben», betont Schmitz. Außerdem würden die Tiere immer wieder «unvorbereitet von fremden Menschen angefasst».

 

2017 seien beim Bonner Umzug zwei Kutschpferde samt Wagen davongelaufen und mit parkenden Autos kollidiert, im gleichen Jahr brach beim Kölner Umzug ein Pferd zusammen, hebt die Tierschutzbund-Sprecherin hervor. «Der Karneval braucht keine Tiere, um Spaß zu machen. Städte wie Bonn zeigen bereits, dass Rosenmontagsumzüge mit Wagen, Fuß- und Musikgruppen und Tanzformationen ganz ohne Pferde funktionieren.»

Auch der bekannte Karnevalist und Wagenbauer Jacques Tilly teilt die Meinung der Tierschützer. «Ich bin gegen den Einsatz von Pferden in den Rosenmontagszügen. Das ist nicht mehr zeitgemäß», sagte Tilly laut einer Mitteilung der Tierrechtsorganisation Peta.

 

In Bonn wurde die Entscheidung gegen Pferde beim Rosenmontagszug teils mit Enttäuschung, aber auch Verständnis aufgenommen. «Wir bedauern es, dass Pferde nicht mehr im Rosenmontagszug mitgehen dürfen, da erneut eine Tradition stirbt. Vom Sicherheitsaspekt können wir diese Entscheidung jedoch nachvollziehen und akzeptieren diese vollumfänglich», sagt Uwe Reichelt, Corpsintendant des traditionsreichen Bonner Stadtsoldaten-Corps.

«Die Pferde fehlen im Sinne dessen, dass diese den Zug aufgewertet haben», erläutert Reichelt. «Da zum Teil aber sogar Kamelle durch Zuschauer zurückgeworfen und Pferde getroffen wurden, ist es nachvollziehbar, dass Pferde nicht mehr mitgeführt werden.»