An Karneval muss man sich in Köln eigenverantwortlich vor Wurfgeschossen in Acht nehmen, wie das Amtsgericht verfügt hat (Archivbild).
An Karneval muss man sich in Köln eigenverantwortlich vor Wurfgeschossen in Acht nehmen, wie das Amtsgericht verfügt hat (Archivbild). Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn

Köln (dpa) – Karneval kann knifflig sein. Hier eine Übersicht von A bis Z:


A wie Alkohol: «Der Satz “Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern” gehört definitiv ins Reich der Legenden.» (Manuel Andrack)

B wie Bier: Ist in den Karnevalshochburgen nicht nach jedermanns Geschmack. Kölsch wurde vom Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll als «harntreibendes Lokalgebräu» bezeichnet. Beliebte Umschreibung für Düsseldorfer Alt: «Sterbehilfe mit drei Buchstaben».

C wie Carneval, König: Ursprünglich gab es keinen Karnevalsprinzen, sondern einen «König Carneval» (noch mit «C» damals). Dagegen wurde im 19. Jahrhundert jedoch behördlicherseits eingeschritten. Begründung: In Preußen gibt es nur einen König, und der sitzt in Berlin.

D wie Dreigestirn: Regierendes Kölner Triumvirat aus Prinz, Bauer und Jungfrau.

E wie Enthemmung, befristete: Die kalendarisch vorgeschriebene «Witzischkeit» des Karnevals hält genau fünf Tage an. Die Devise lautet: Heute feiern, morgen wieder in der Reihe tanzen.

Sag einmal «Fasching» und du bist in Köln ein toter Mann

F wie Fasching: In Köln und Düsseldorf verpönte Bezeichnung. In einem Kölner «Tatort» stöhnte Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) einmal über das «Faschingsfieber». Darauf Gerichtsmediziner Joseph Roth (Joe Bausch): «Sag noch einmal “Fasching” zu jemandem, der dich nicht so lieb hat wie ich, und du bist in Köln ein toter Mann.»

 

G wie Grapscher: Er spannt beim Karnevalszug den Schirm auf, um besonders viel Kamelle aufzufangen, und tritt notfalls einem Kind auf die Finger, um sich einer Tafel Schokolade zu bemächtigen.

H wie Höhner: Karnevalsband. Der Subtext ihrer Lieder ist, dass es an Köln nichts mehr zu verbessern gibt, denn dann wär‘ es nicht mehr Köln. Stichwort «Kölle du bes e Jeföhl» (Köln du bist ein Gefühl).

I wie I-Kostüm: Früher ein Klassiker, heute das Kostüm, dessen Name nicht genannt werden darf. Wer nicht darauf verzichten will, spricht besser von Winnetou-Kostüm.

J wie Jeck: Kölsch für «Narr». Abgeleitet von «geck», im Niederländischen «gek» (verrückt).

K wie Küpper, Karl: Mutigster Büttenredner in der Geschichte des Karnevals. Erhob in der Nazi-Zeit die Hand zum Hitlergruß, sagte aber statt «Heil Hitler»: «Is et am rähne?» (Ist es am Regnen?) Wegen «Verächtlichmachung des deutschen Grußes» mit lebenslangem Auftrittsverbot belegt.

L wie Lob der Torheit: Titel eines Buchs des Humanisten Erasmus von Rotterdam (1466/69-1536). In der europäischen Geistesgeschichte bildet es die theoretische Grundlage für alle Arten von Spott, Parodie und Satire.

Das Möbelhaus – Fluchtpunkt der nicht Karnevalisierbaren

M wie Möbelhaus: Fluchtpunkt nicht karnevalisierbarer Gegner des organisierten Frohsinns. Ihr Motto: «Der Trick ist, dass man sich verpisst, bis wieder Aschermittwoch ist.»

N wie Neger, Ernst: Größter Star der Mainzer Fastnacht. Lebte von 1909 bis 1989. Eine Theorie besagt, dass sein Lied «Heile heile Gänsje» den schuldbeladenen Deutschen der Nachkriegszeit unterschwellig die Vergebung der Sünden suggerierte.

O wie Orden: Sollten einst höfische und militärische Ehrungen parodieren, wurden dann aber selbst zum Fetisch.

P wie Prinzessinnenfummel: Gestern noch Bürokraft, heute Prinzessin im rosa Fummel mit Plastikdiadem im Haar. Nirgendwo ist der Karneval so authentisch und subversiv wie beim Verkleiden.

Q wie Querulantentum: Falls man durch Kamelle oder andere Wurfgeschosse beim Rosenmontagszug verletzt wird, hat man sich das selbst zuzuschreiben. Kamelle-Werfen sei in Köln «sozial üblich, allgemein anerkannt und erlaubt», hat das örtliche Amtsgericht festgestellt.

R wie Raveaux, Franz: Organisierte zur Zeit des Biedermeiers einen Gegen-Karneval, so dass Köln 1845 zwei konkurrierende Rosenmontagszüge hatte, einen angepassten und einen frechen. Später Todesurteil, starb im Exil.

S wie Sitzungsfetischist: Für ihn ist Karneval ohne Mützenzwang gleichbedeutend mit Anarchie.

T wie Tusch: Zeigt Karnevalisten an, wann gelacht werden muss.

U wie Unterwanderung: Wer witzigere Pointen will, muss Karnevalsvereine unterwandern und es besser machen.

Wildpinkler sind eine Gefahr für den Kölner Dom

 

V wie Viva Colonia: Stimmungsschlager der Höhner, der auch in Bayern und am Ballermann textsicher mitgesungen werden kann.

W wie Wildpinkler: Ihr ätzender Urin zersetzt das jahrhundertealte Gestein des Kölner Doms.

X wie x-fache Wiederholung: Der Karneval ist die Wiederholung des Immergleichen, sozusagen die alljährliche Rückkehr der schunkelnden Untoten.

Y wie Y-Chromosom: Karneval ist männerdominiert. Wenn Carolin Kebekus zu Beginn ihrer Karriere telefonisch anfragte, ob sie in einer bestimmten Karnevalssitzung auftreten könne, bekam sie oft zu hören: «Der Frauen-Slot ist leider schon besetzt.»

Z wie zersetzend: Die «zersetzenden und gehässigen Satiren» des Karnevals waren dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer ein Dorn im Auge. Er wollte dagegen gerichtlich vorgehen, doch das Bundesjustizministerium riet ihm ab. Begründung: Kölner Richter sind vermutlich auch Karnevals-affin.