Ratingen | Die FDP Ratingen schlägt Alarm wegen der Mobilfunkversorgung in Homberg. Trotz offiziell gut aussehender Abdeckungskarten erleben viele Anwohnerinnen und Anwohner im Alltag das Gegenteil, instabile Verbindungen, abrupte Abbrüche, teils komplette Funklöcher, in Gebäuden oft noch ausgeprägter. Als Hauptursache nennt die FDP die hügelige Topografie mit Abschattungen, die Funksignale je nach Standort regelrecht „schluckt“.
Besonders deutlich wurde das Problem nach dem jüngsten Schmorbrand an der Trafostation der Christian-Morgenstern-Schule. Der großflächige Stromausfall legte Festnetz, Internet und TV zeitweise lahm. In solchen Lagen ist Mobilfunk eigentlich die naheliegende Ausweichlösung, gerade auch für Erreichbarkeit im Notfall, für Nachbarschaftshilfe oder für Informationen, wenn andere Kanäle ausfallen. Genau hier habe Homberg jedoch seine Verwundbarkeit gezeigt, so die FDP, denn ausgerechnet dann sei der Mobilfunk vielerorts nicht zuverlässig verfügbar gewesen.
Mit einem Antrag fordert die Fraktion deshalb eine gezielte Netzverdichtung und einen krisenfesten Ausbau, der Lücken schließt und die Versorgung in Homberg belastbarer macht. Als pragmatischer Ansatz werden „Smart Cells“ ins Spiel gebracht, also kleine Mobilfunkzellen, die unauffällig an bestehender Infrastruktur montiert werden können, etwa an Laternenmasten oder anderem Stadtmobiliar. Solche Kleinzellen ergänzen das klassische Netz aus großen Funkstandorten, indem sie in einem begrenzten Umkreis gezielt Versorgung und Kapazität verbessern, besonders dort, wo Gelände, Bebauung oder hohe Nachfrage die Verbindung ausdünnen.
So funktioniert das technisch, und woran es in der Praxis hängt
Smart Cells, oft als „Small Cells“ bezeichnet, arbeiten mit geringer Sendeleistung und versorgen typischerweise einen überschaubaren Bereich. In Deutschland wird im Umfeld von Kleinzellen häufig von Leistungen im einstelligen Wattbereich gesprochen. Je nach Ausgestaltung kann das Genehmigungs und Anzeigeverfahren einfacher sein als bei großen Standorten, unter anderem, weil bei sehr niedrigen Leistungen aus Personenschutzsicht keine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur erforderlich ist, Transparenzmeldungen bleiben davon unberührt.
Entscheidend für die Wirkung ist die Anbindung an das Kernnetz, die sogenannte Backhaul Strecke. Die FDP nennt hier ausdrücklich „Fiber to the Pole“, also Glasfaser bis zum Mast. Das ist technisch plausibel, denn Small Cells können nur dann stabil hohe Datenraten und niedrige Latenzen liefern, wenn die Daten ab der Funkzelle schnell und mit genügend Kapazität weitertransportiert werden. Entsprechend setzen Betreiberprojekte in Deutschland bei Laternenlösungen regelmäßig auf Glasfaser.
Ein weiterer Punkt ist die Resilienz. Eine Small Cell am Laternenmast benötigt Strom, und sie fällt ohne Zusatzmaßnahmen bei Stromausfällen ebenfalls aus. Wenn Homberg „krisenfester“ werden soll, gehören daher technische Konzepte wie gepufferte Stromversorgung, definierte Notstromdauer, Monitoring und Priorisierung kritischer Standorte mit in die Planung, beispielsweise rund um Schulen, zentrale Straßen oder Treffpunkte.
Dass solche Laternen, Smart Poles oder vergleichbar integrierte Lösungen grundsätzlich funktionieren, zeigen Beispiele aus anderen Städten, wo Mobilfunktechnik in Straßenlaternen integriert und per Glasfaser angebunden wird.
Unterm Strich will die FDP eine realitätsnahe Antwort auf ein Problem, das viele seit Jahren kennen: Karten versprechen Netz, der Alltag liefert Funklöcher. Der Antrag zielt darauf, Homberg dort nachzurüsten, wo es topografisch schwierig ist und wo Verlässlichkeit im Ernstfall nicht verhandelbar sein sollte.

