Der Ratinger Akkordeon Chor bei der Probe, Bild: Alexander Heinz
Der Ratinger Akkordeon Chor bei der Probe, Bild: Alexander Heinz

Ratingen (AH) | Wer beim Wort Akkordeon zuerst an Schunkelmusik oder kleine Hausmusikrunden denkt, sollte sich den 22. März 2026 im Kalender markieren. Denn was das Ratinger Akkordeon-Orchester an diesem Sonntag um 16 Uhr in der Stadthalle auf die Bühne bringt, hat mit allen vorschnellen Klischees erstaunlich wenig zu tun. Das traditionsreiche Ensemble ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt und steht seit vielen Jahren unter der musikalischen Leitung von Petra Willeke, die das Orchester inzwischen seit rund 40 Jahren prägt.
Genau diese Erfahrung wird auch im Programm des diesjährigen Jahreskonzerts spürbar. Petra Willeke hat, passend zu ihrem langjährigen Wirken, bewusst ein Programm zusammengestellt, das zum Teil an frühere Konzerte anknüpft und zugleich die enorme Bandbreite des Orchesters zeigt. Der erste Teil beginnt mit zwei Serenaden, die kaum unterschiedlicher sein könnten: der gefühlvollen Serenade in E-Dur von Antonín Dvořák und der rhythmisch raffinierten, deutlich beschwingteren Serenade von Derek Bourgeois. Dazwischen liegt mit „Danse Macabre“ von Camille Saint-Saëns ein Werk, das düstere Bilder, dramatische Spannung und musikalische Farbenfreude miteinander verbindet.
Als Gast wird außerdem das Quartett UWAGA! erwartet, ein Ensemble, das sich seit seiner Gründung 2007 einen Namen als einer der spannendsten Crossover-Acts der deutschen Musikszene gemacht hat. Die Formation verbindet Klassik, Balkan-Sound, Jazz, Improvisation und Bühnenenergie zu einem ganz eigenen Klang und war bereits mit renommierten Orchestern und auf bedeutenden Bühnen wie der Elbphilharmonie zu erleben.
Nach der Pause zeigt das Ratinger Akkordeon-Orchester dann noch einmal besonders eindrucksvoll, wie weit das Ausdrucksspektrum dieses Instruments tatsächlich reicht. Mit „Innuendo“ von Queen geht es ohne Ansage direkt in einen kraftvollen zweiten Teil. Es folgen unter anderem „Karneval“, „Rhapsodia“, ein Edith-Piaf-Medley, „ARTango“, „Baby Elephant Walk“ und Musik aus „Forrest Gump“. Schon an dieser Auswahl lässt sich ablesen, dass hier Klassik, Filmmusik, Chanson, Tango und Pop nicht nebeneinanderstehen, sondern in einem großen musikalischen Bogen miteinander verbunden werden.
Durch das Programm führt Dirk Wittmer. Dass das Akkordeon dabei eine erstaunliche Tiefe, Dynamik und Farbigkeit entfalten kann, war auch bei einer Prob des Orchesters zu erleben, an der der Redakteur dieser Zeitung teilnehmen konnte. Gerade live zeigt sich, wie vielseitig, differenziert und bisweilen sogar orchestral groß dieses Instrument klingen kann. Wer es nicht selbst gehört hat, kann sich diese besondere Wirkung kaum vorstellen, gerade weil das Wort Akkordeon bei vielen noch immer ganz andere Bilder hervorruft.
Umso klarer fällt die Empfehlung aus: Dieses Konzert ist unbedingt einen Besuch wert. Es verspricht nicht nur musikalische Qualität, sondern auch einen Abend, der mit Hörgewohnheiten spielt und sie im besten Sinne erweitert. Karten sind laut Stadt ab 15 Euro, ermäßigt 7 Euro, erhältlich.


Der Ratinger Akkordeon Chor bei der Probe, Bild: Alexander Heinz
Der Ratinger Akkordeon Chor bei der Probe, Bild: Alexander Heinz

Der Ratinger Akkordeon Chor bei der Probe, Bild: Alexander Heinz